Elite – Qualitätsmarke der 1920er Jahre aus Sachsen

Vor dem 2. Weltkrieg waren etliche bedeutende deutsche Automobilfirmen in Sachsen angesiedelt. Zu den heute noch bekannten Marken gehören DKW, Horch und Wanderer, die 1932 mit Audi in der Auto-Union zusammengefasst wurden.

Einer der vielen Hersteller aus der Region, die nur noch Spezialisten geläufig sind, waren die Elitewerke aus Brand-Erbisdorf. Mit weniger als 10.000 Einwohnern dürfte das Städtchen im Erzgebirge der kleinste Ort in Deutschland mit eigener Automobilfabrikation gewesen sein.

Man sollte meinen, dass an einem solchen Standort nur unbedeutende Kleinwagen gefertigt worden sein können. Weit gefehlt: Unter der Marke ELITE entstanden von 1913 bis 1929 große und leistungsstarke Automobile sowie für kurze Zeit auch hochwertige Motorräder.

Das folgende Originalfoto zeigt eine Elite-Limousine von Anfang bis Mitte der 1920er Jahre.

Elite_Limousine_1920er_Jahre

© Elite-Limousine der frühen 1920er Jahre; Sammlung: Michael Schlenger

Für die frühe Entstehung sprechen die Holzspeichenfelgen und das Fehlen von Vorderradbremsen. Das Foto kann erst ab 1928 entstanden sein, da in Deutschland vorher keine elektrischen Winker verbaut wurden. Auch die Positionsleuchten sind vermutlich nachgerüstet. Das genaue Modell ist leider unbekannt.

Nachfolgend außerdem eine alte Abbildung des Elite S 18/70PS mit 4,7 Liter großem 6-Zylindermotor, der von 1923 bis 1927 gebaut wurde. Elite_S_18-70PS_1925

© Elite S 18/70PS; Sammlung: Michael Schlenger

Die noch stärkere Sportvariante des Elite S 18 leistete bei gleichem Hubraum fast 100 PS. Damit spielten die Elite-Wagen in einer ähnlichen Liga wie die zeitgleichen Modelle von Simson aus dem thüringischen Suhl.

Dass die Elitewerke für Qualität standen, lässt sich auch daran erkennen, dass DKW-Gründer Rasmussen sich nach dem Ersten Weltkrieg daran beteiligte. 1920 schloss sich die Firma ihrerseits mit den Diamant-Fahrradwerken zusammen.

In dieser Zeit entstanden heute sehr begehrte großvolumige Motorräder unter der Marke Diamant, die den Ruf des Konzerns weiter stärkten. 1928 wurde schließlich Opel auf Elite-Diamant aufmerksam und erwarb eine Mehrheitsbeteiligung daran.

Opel ließ von Elite-Diamant für kurze Zeit die Opel Motoclub 500 fertigen, eine vom Künstler und Techniker Ernst Neumann-Neander entworfenene, unkonventionelle Oberklassemaschine. Hier ein unberührtes Exemplar aus dem PS-Speicher in Einbeck.

Opel_Motoclub_PS-Speicher-Einbeck

© Opel Motoclub 500, PS-Speicher Einbeck; Bildrechte: Michael Schlenger

Doch schon 1929 brachte die Weltwirtschaftskrise das Ende für Elite-Diamant. Opel trennte sich im Zuge der Übernahme durch General Motors von seiner Beteiligung an der Firma.

Überlebensfähig blieben nur die bis heute existierenden Diamant-Fahrradwerke. Die Produktion im alten Elite-Werk in Brand-Erbisdorf wurde dagegen eingestellt.

Damit endete die PKW-Fertigung nach schätzungsweise 3.000 Fahrzeugen. Nur eine Handvoll Elite-Wagen ist noch bekannt. Damit gehören sie heute zu den seltensten Zeugen der deutschen Automobilgeschichte überhaupt.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s