Videoporträt: Talbot-Lago T26 Grand-Prix-Wagen

Neben der Pflege der lokalen Klassikerkultur in der Wetterau – zwischen Taunus und Vogelsberg – widmet sich dieser Blog schwerpunktmäßig Automobilen der Vorkriegszeit. Sie sind in der aktuellen Spekulationsblase um Sportwagen der 1950-70er Jahre, die früher oder später enden wird, in den Hintergrund gerückt.

Doch für viele Enthusiasten sind Vorkriegswagen nach wie vor das Salz in der Suppe: eine unglaubliche Markenvielfalt, raffinierte Karosserien, verwegene Konstruktionen und ein intensives Fahrerlebnis selbst bei relativ wenig Leistung, das bieten so nur die Veteranen-und Vintage-Fahrzeuge von der Jahrhundertwende bis Kriegsausbruch.

© Vorkriegsautomobile; Bildrechte: Michael Schlenger

Wer sich für die aus heutiger Sicht untermotorisierten Fahrzeuge deutscher Hersteller jener Zeit nicht erwärmen kann, wird möglicherweise über die Leistungsfähigkeit bezahlbarer amerikanischer Wagen der 1930er Jahre überrascht sein.

Wer es richtig krachen lassen will – allerdings auch auf dem Bankkonto – kann sich einen Rennwagen in Vorkriegstradition anschaffen, falls er einen findet. Ein solches Auto soll hier präsentiert werden, auch wenn es erst nach dem Krieg zum Einsatz kam.

Die Rede ist vom Grand-Prix-Wagen T26 der Marke Talbot-Lago. Wer jetzt an einen der unsäglichen Talbots der 1970er/80er denkt, vergisst das bitte ganz schnell wieder. Die Marken haben außer dem Namen nichts miteinander zu tun.

Begegnet ist der Verfasser den großartigen Talbot-Lago-Rennwagen bereits mehrfach: erst beim Festival de l’Automobile 2013 im elsässischen Mühlhausen und dann auch im scharfen Renneinsatz beim Goodwood Revival Meeting in Sussex (Südengland):

© Talbot-Lago T26 Grand-Prix-Wagen in Mühlhausen (2013) und Goodwood (2015); Bildrechte: Michael Schlenger

Kurz zur Geschichte dieses Typs: Die Rennausführung des Talbot-Lago T26 kam 1948 erstmals zum Einsatz. Der klassische Monoposto trug noch in jeder Hinsicht Vorkriegsgene in sich. Ein Beispiel dafür sind die verrippten Bremstrommeln, die damals Stand der Technik waren.

Der größte Rennfahrer der Zwischenkriegszeit – Tazio Nuvolari – sagte einmal, man gewinne ein Rennen nicht mit den Bremsen, daher jetzt zur Motorleistung: 280 PS aus einem 6-Zylinder mit 4,5 Liter Hubraum sind auch heute noch ein Wort.

Gemessen an der Konkurrenz der Nachkriegszeit war das zwar unterdurchschnittlich, doch der Talbot-Lago machte sich rasch einen Namen durch seine Zuverlässigkeit. Die Wettbewerber von Alfa-Romeo & Co. mögen schneller gewesen sein, doch die Talbots hielten öfter durch, auch ohne Boxenstopp.

Das brachte dem T26 in seiner Glanzzeit bis Anfang der 1950er Jahre etliche Siege bei Grand-Prixs und den 24-Stunden -Rennen von Le Mans ein.

Eine Ahnung von der Leistungsfähigkeit dieser herrlichen Rennwagen vermittelt das folgende Videoporträt. Darin stellt der Niederländer Han Brouwers seinen Neuerwerb vor und erzählt von seiner Leidenschaft für Vorkriegsklassiker:

© Talbot Lago T26 GP-Wagen, gefilmt von CineCarsTV; Videoquelle: youtube.com

Die Fahrszenen belegen, was der sympathische Besitzer sinngemäß auf Holländisch sagt: „Der Wagen ist sauschnell.“ Hoffen wir, dass wir dieses prachtvolle Auto möglichst oft auf Europas historischen Rennstrecken zu sehen bekommen.

Danke in diesem Zusammenhang an Michael Buller, auf dessen Vorkriegs-Oldtimer-Blog der Verfasser auf dieses schöne Video stieß. Michi ist in Sachen Vorkriegs-Sportwagen ein echtes Trüffelschwein, wenn man das so sagen darf.

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