Andenken an die Prinz-Heinrich-Fahrt 1911

Wie gewohnt geht es auf diesem Oldtimerblog auch heute wieder um Vorkriegsautos.  Doch im Mittelpunkt steht diesmal kein spezielles Modell, sondern ein rares Objekt, das an die Prinz-Heinrich-Fahrt des Jahrs 1911 erinnert.

Zum Hintergrund einiges Wissenswertes:

Prinz Heinrich von Preußen war der technikbegeisterte Bruder des deutschen Kaisers Wilhelm II und wie dieser Enkel der englischen Königin Victoria – woran man sieht, wie eng einst die Bande zwischen Deutschland und England waren.

Nach Ausbildung bei der Kriegsmarine galt Prinz Heinrich als hervorragender Seemann, der Kommandos vom Torpedoboot bis zum Linienschiff innehatte. Technische Innovationen zu Wasser, zu Lande und in der Luft fesselten ihn.

Im Unterschied zu seinem Bruder sah er früh das Potential des Automobils – wie auch das von U-Booten und Flugzeugen – und rief zur Förderung des Innovationstempos eine nach ihm benannte Zuverlässigkeitsprüfung ins Leben.

An den von 1908 bis 1911 ausgetragenenen Prinz-Heinrich-Fahrten sollten keine Rennwagen, sondern mehrsitzige Tourenwagen teilnehmen. Bei der ersten Prinz-Heinrich-Fahrt sahen solche Autos noch eher wie motorisierte Kutschen aus:

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© Originalfoto aus Sammlung Michael Schlenger

Dieses schöne Originalfoto zeigt einen Tourenwagen um 1905/06, der einst an einer unbekannten Sportveranstaltung teilnahm. Ähnlich darf man sich die teilnehmenden Fahrzeuge an der ersten Prinz-Heinrich-Fahrt vorstellen.

Dabei mussten über 2.000km quer durch Deutschland absolviert werden, unterbrochen von Geschwindigkeitsprüfungen. Asphaltierte Straßen gab es damals noch nicht. Dass dennoch über 100 Wagen zu dieser Herausforderung antraten, spricht für den Entwicklungsstand des noch jungen Automobils.

Bei der letzten Prinz-Heinrich-Fahrt 1911 sahen Tourenwagen schon wesentlich raffinierter aus:

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© Originalfoto aus Sammlung Michael Schlenger

Motorraum und Passagierabteil begannen damals zu einem Ganzen zu verschmelzen. Fahrzeuge wie dieser bislang ebenfalls nicht identifizierte Tourenwagen waren an der letzten Prinz-Heinrich-Fahrt beteiligt.

Im Unterschied zu den früheren Fahrten wurde 1911 nicht mehr auf Geschwindigkeit gefahren. Jetzt galt es, „Strecke zu machen“. Das Ganze wurde vom Kaiserlichen Automobil Club und dem Royal Automobile Club gemeinsam ausgerichtet.

In Bad Homburg am Taunus gingen am 4. Juli 1911 knapp 40 deutsche und fast 30 britische Wagen an den Start, die zunächst bis Koblenz fuhren, dann dem Rhein folgten und sich von Wesel aus auf den Weg nach Bremerhaven machten.

Von dort aus wurden die Autos am 7. Juli nach Southhampton verschifft. In England stand eine deutlich längere Rundtour auf dem Programm. Sie führte bis nach Schottland und endete am 20. Juli in London.

Zur Erinnerung erhielten die Teilnehmer, die das Ziel erreichten, eine Medaille, die auf der Rückseite folgende schöne Szene zeigte:

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Hier geben sich „Britannia“ und „Germania“ die Hand und auch das Nebeneinander von englischem und deutschen Text sowie die Embleme der beiden Automobilclubs unterstreichen das völkerverbindende Element der Veranstaltung von 1911.

Dass es nur drei Jahre später zum Krieg zwischen England und dem Deutschen Reich bzw. Österreich kommen sollte, war nicht zu ahnen.

Bleiben wir lieber noch ein wenig bei den Objekten jener Zeit, die an den friedlichen Wettbewerb der Völker vor 1914 erinnern:

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© Jugendstil-Tafelaufsatz; Bildrechte: Marcel Held

Das Foto dieses großartigen Jugendstil-Tafelaufsatzes verdanken wir Marcel Held aus Erkrath, dem auf dem Fuß die Gravur „Prinz Heinrich Fahrt 1911“ aufgefallen war.

Das aufwendig gearbeitete Stück besteht aus Zinn bzw. Messing und war teilweise vergoldet. Die formale Qualität allein zeichnet das über 100 Jahre alte Objekt bereits als hervorragende Arbeit aus.

Die Gravur macht es außerdem zu einem bedeutenden historischen Zeugnis:

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© Jugendstil-Tafelaufsatz; Bildrechte: Marcel Held

Kann es sein, dass sich hier ein deutscher Teilnehmer der Prinz Heinrich Fahrt 1911 nachträglich sein ganz persönliches Souvenir hat anfertigen lassen? Die offizielle Gedenkmedaille für die erfolgreichen Teilnehmer sah ja anders aus.

Wer kann dazu etwas Gehaltvolles sagen? Der Verfasser und der Besitzer des Tafelaufsatzes sind für alle Hinweise dankbar.

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