In der Glut des Südens: BMW 326 Cabriolet

Nach einigen Wochen Dauerfrost in weiten Teilen des Landes – wir befinden uns in der zweiten Hälfte des Monats Januar 2017 – mag der Titel verlockend vorkommen.

Doch Vorsicht: Wie im gleichnamigen Film von 1978 kann die Sache tragisch ausgehen. Oder möchte wirklich jemand mit dem gut gebräunten Burschen auf folgendem Foto tauschen, der irgendwo im sonnigen Süden Wache schiebt?

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BMW und Adler Cabriolets; Originalfoto aus Sammlung Michael Schlenger

Sicher, so ein BMW-Vorkriegs-Cabriolet hat seinen Reiz und wir schauen es uns auch gleich näher an. Selbst der brave Adler daneben erfreut heute die Herzen, wenn auch nicht unbedingt in dieser Lackierung.

Doch wohin hat es uns hier bloß verschlagen? Leider ist das Foto nicht beschriftet, sodass wir von dem wenigen ausgehen müssen, was wir zuverlässig erkennen können.

Der Schlüssel zum mutmaßlichen Aufnahmeort ist die Uniform des Soldaten, der sich hier mit geschultertem Karabiner K98 neben dem BMW hat ablichten lassen.

bmw_326_und_adler_trumpf_junior_sudfront_ausschnitt1Er trägt eine weit geschnittene Baumwollhose mit Schulterklappenhemd, wie sie im 2. Weltkrieg an deutsche Soldaten an der Südfront ausgegeben wurden. Damit kommen die Kriegsschauplätze in Griechenland und Nordafrika (ab 1941) in Frage.

Gegen Afrika spricht die dunkle Farbe des Stoffs – Fotos des Afrika-Korps zeigen meist von der Sonne ausgeblichene Uniformen. Auch die Fahrzeuge tragen eine dunkle Lackierung, die nicht an Wüstenverhältnisse angepasst war.

Der BMW ist noch in gutem Zustand, das spricht ebenfalls gegen einen materialmordenden Einsatz in der Wüste. Dort hätte man auch die verräterisch glänzende Chromniere überlackiert, die hier ausgespart wurde.

Von der Frontpartie her kommen mehrere BMW-Typen der späten 1930er Jahre in Frage. Doch nur zwei davon trugen die charakteristische geknickte Frontscheibe: der für seine Eleganz gerühmte BMW 326 und der etwas schwächere 320/321.

Die beiden 45 PS-Typen BMW 320 und 321 können wir ausschließen. Sie waren zwar auch als 2-türiges Cabriolet erhältlich, ihnen fehlte aber die aufgesetzte Zierleiste entlang der Motorhaube.

Es bleibt nur der im Detail feiner ausgeführte 326er, der über denselben 6-Zylinder mit 2 Liter Hubraum verfügte, aber 50 PS leistete. Er wurde von 1936-41 in knapp 7.000 Exemplaren gebaut.

Diese repräsentativen und komfortablen Wagen waren beliebte Stabsautos bei der Wehrmacht. Man kann sich vorstellen, wie wenige davon den Krieg überlebt haben.

Anders sieht das beim daneben stehenden Adler Trumpf Junior aus, von dem einst rund 100.000 Exemplare auf der ganzen Welt unterwegs waren. Auch wenn etliche davon im Krieg eingesetzt worden sind, war die Überlebensquote bei diesen gefälligen Frontantriebswagen recht hoch.

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Unser Soldat – offenbar ein einfacher Mannschaftsdienstgrad – hat also den richtigen Instinkt bewiesen, als er sich näher an dem seltenen BMW postierte.

Die Beschränkung auf zwei Magazintaschen am Koppel und der Verzicht auf einen Stahlhelm sprechen dafür, dass er hier einen Fuhrpark irgendwo im Hinterland bewachte. Möglicherweise war dies ein Sammelplatz für aktuell nicht benötigte Fahrzeuge, zumal diese keinerlei Tarnung aufweisen.

Der LKW im Hintergrund zwischen dem BMW und dem Adler könnte ein englisches Beutefahrzeug sein. Das lässt sich mit einer gezielten Recherche noch aufklären.

So sehr man sich in diesen Tagen nach einem heißen Sonnentag sehnen mag, so dankbar darf man sein, wenn einem eine Situation wie diese irgendwo in Südeuropa vor über 70 Jahren erspart bleibt und man die Autos jener Zeit heute ohne Sorge um Leib und Leben genießen kann.

Dafür nimmt man doch gern ein paar Minusgrade in Kauf…

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