Fund des Monats: Sieg von NSU beim Taunusrennen 1925

Nachdem im gestrigen Blog-Eintrag zum Lancia Lambda nebenbei die Mille Miglia in Italien gewürdigt wurde, befassen wir uns heute mit einem der weitgehend vergessenen Rennen, die zwischen 1904 und 1926 im Taunus stattfanden.

Es gibt dazu ein wundervolles Buch von Holger Rühl „Die Automobilrennen im Taunus“, hrsg. 2004, das leider vergriffen ist. Diesem Werk ist es zu verdanken, dass wir den Wagen auf dem folgenden Originalfoto identifizieren können:

NSU_5-25_PS_Rennwagen_Taunus_1925_Galerie

NSU 5/25 PS Kompressor; Originalaufnahme aus Sammlung Michael Schlenger

Bevor wir uns diesen kompakten Rennwagen näher ansehen, ein paar Worte zu der Veranstaltung, bei der er mit unglaublichem Erfolg eingesetzt wurde.

Im August 1925 richtete der AvD auf einem über 30 km langen Kurs im Taunus den „Großen Preis von Deutschland“ aus. Dabei traten 20 Rennwagen an, die 14 Runden zu absolvieren hatten, insgesamt knapp 440 Kilometer.

Das drei Hubraumklassen abdeckende Starterfeld umfasste unter anderem reinrassige Sportwagen von Bugatti, Mercedes und Simson, außerdem aus heutiger Sicht exotische Kandidaten von Bignan, Faun, HAG, NAG – und NSU!

Ja, so vielfältig war die Sportwagenwelt in Deutschland vor über 90 Jahren. Doch wie ist die Sache damals ausgegangen? Nun, auf jeden Fall ganz anders, als es man es sich bei der Präsenz von drei Bugattis vorstellt…

Der Held des Tages sollte dieser Wagen werden:

NSU_5-25_PS_Rennwagen_Taunus_1925_Ausschnitt

Hier sehen wir in rasanter Fahrt den NSU 5/25 PS mit der Startnummer 23, der von August Momberger aus Frankfurt gesteuert wurde. Der gerade einmal 1,3 Liter „große“ Motor entsprach weitgehend dem Serienmodell – bis auf ein Detail.

NSU-Ingenieur Karl Rank hatte dem kleinen Vierzylinder einen Kompressor verpasst, der perfekt mit dem Triebwerk harmonierte, ohne es zu überfordern.

Damit deklassierten die beiden 1925 beim Taunusrennen eingesetzten NSU 5/25 PS die komplette Konkurrenz. Nach dem Ausfall des Mercedes mussten sich selbst die Bugattis den wie Uhrwerke laufenden NSU-Wagen geschlagen geben.

Der Lohn war ein deutlicher Doppelsieg im Gesamtklassement – ein ungeheurer Erfolg, der auch der Kühnheit der NSU-Fahrer Momberger und Isslinger zu verdanken war.

Dem damals 20 Jahre alten August Momberger sollte noch eine abwechslungsreiche Karriere bevorstehen:

Beim Eröffnungsrennen am Nürburgring 1927 siegte er auf Bugatti in der Hubraumklasse bis 5 Liter. Danach sicherte er sich auf Kompressor-Mercedes zwei dritte Plätze bei Grand Prix-Rennen.

1934 bestritt Momberger sieben Rennen auf den kapriziösen Mittelmotorwagen von Auto-Union, teils vom Pech verfolgt, teils mit hervorragenden Ergebnissen.

Nach Ende seiner Rennkarriere sollte Momberger noch einigen Einfluss bei Wanderer und Borgward haben – bis in die Nachkriegszeit hinein.

Doch das ist eine andere Geschichte, die eines eigenen Buches würdig wäre. Soviel Inspiration steckt in einem Schnappschuss eines Fotoamateurs von 1925…

© Michael Schlenger, 2017. All entries in this blog (including embedded photos) are copyrighted by the author, unless otherwise indicated. Excerpts and links may be used, provided that credit is given to Michael Schlenger and http://www.klassiker-runde-wetterau.com with appropriate and specific direction to the original content.

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