So schön kann der Winter sein: Dixi 6/24 PS Tourer

Wir nähern uns dem Frühlingsanfang des Jahres 2018 – zumindest in kalendarischer Hinsicht. Doch das Wetter zeigt sich kapriziös und sorgt bei Autofahrern wie Gartenbesitzern mit unerwartet winterlichen Verhältnissen für Verdruss.

Doch uns Liebhabern von Vorkriegsautos auf alten Fotos bieten Schnee und teils deftige  Temperaturen einen willkommenen Vorwand, eine alte Aufnahme zu studieren, die in ganz ähnlicher Situation vor rund 90 Jahren entstand:

Dixi_6-24_PS_Winter_Galerie

Dixi 6/24 PS; Originalfoto aus Sammlung Michael Schlenger

Ja, so schön kann der Winter sein, wenn man in der warmen Stube sitzt, ein solches Prachtfoto genießen kann und nebenbei der Eisenacher Marke Dixi zugetan ist.

Das Auto selbst stellt uns vor keine großen Rätsel, selten lässt sich ein Tourenwagen der 1920er Jahre so mühelos identifizieren. Der Typ als solcher – ein 6/24 PS-Modell – ist uns auf diesem Blog schon auf einigen Aufnahmen begegnet.

Doch keine davon kann es annähernd mit der Qualität dieses Dokuments aufnehmen. Dabei stand der Wagen vielleicht gar nicht im Mittelpunkt, denn der knapp bemessene Schärfebereich ist auf die Ebene des daneben stehenden Fahrers begrenzt.

Trotzdem sehen wir von dem Auto auf Anhieb alles wesentliche, was die präzise Ansprache erlaubt:

Dixi_6-24_PS_Winter_Ausschnitt

Der gemäßigte Spitzkühler mit dem nach vorn abfallenden Oberteil und dem Aufwärtsschwung des unteren Abschlusses würde auch ohne das Markenemblem genügen, um das Auto als Dixi der 1920er Jahre identifizieren zu können.

Zusammen mit den nach hinten geneigten, recht niedrigen Luftschlitzen in der Motorhaube verweisen diese Details auf den ab 1923 gebauten Typ 6/24 PS.

Technisch unspektakulär, aber sorgfältig konstruiert und einwandfrei verarbeitet erfreute sich das Modell einiger Beliebtheit – bis 1928 wurde es gebaut. Das markante „Gesicht“ und die serienmäßigen Drahtspeichenräder mögen dazu beigetragen haben.

Das Fehlen von Trommelbremsen an der Vorderachse spricht für ein Modell aus der Zeit vor 1925. Dem makellosen Zustand nach zu urteilen könnte es sich um ein beinahe neues Exemplar gehandelt haben – die unterschiedlichen Profile der beiden Vorderreifen sprechen aber dagegen.

Bei guter Lackpflege vermochte der Winter den damaligen Autos auch kaum etwas anzuhaben. Streusalz auf den Straßen gab es nicht, rostanfällige Hohlräume ebenfalls nicht und die Schichtdicke der Lackierungen war beachtlich.

Sicher war dem Fahrer – offenbar ein Chauffeur eines Reichspostbeamten (siehe Kennzeichen) – sehr an einem sauberen Erscheinungsbild „seines“ Wagens gelegen. Der Beruf genoss damals Prestige, wenn man bedenkt, dass die allermeisten Altersgenossen in der Landwirtschaft, im Handwerk oder der Industrie schwere, eintönige oder gefährliche Arbeiten leisten mussten.

Der blutjunge Bursche war sicher stolz auf seine Position und hat sich eigens fotografieren lassen, um Angehörigen und Familie zu zeigen:“Seht her, ich habe es zu etwas gebracht.“

Dixi_6-24_PS_Winter_Ausschnitt2

Ruhig und ernst, mit bewusster Haltung schaut er in die Kamera – ein Schnappschuss war das eindeutig nicht. Nur einen Knopf der zweireihigen Lederjacke hat er vergessen zu schließen.

Das ist übrigens ein zeitloses Kleidungsstück, wie es bereits die Kampfflieger des 1. Weltkriegs trugen und bei Automobilisten und Motorradfahrern lange Zeit beliebt blieb.

Deutsche Polizisten trugen bis in die 1970er Jahre solche Lederjacken in bester Qualität. Mit etwas Glück bekommt man noch ein gut erhaltenes Exemplar, das ohne weiteres eine Winterjacke ersetzt, wie der Verfasser aus eigener Erfahrung weiß.

Für Fahrer offener Vorkriegsautomobile und klassischer Motorräder ist dies eine ausgezeichnete Wahl, die das authentische Erscheinungsbild abrundet.

Überhaupt kann man sich auf solchen zeitgenössischen Fotos einiges an Stilsicherheit abschauen, den man in Zeiten von „Funktionskleidung“ in aggressiven Farben vermisst…

© Michael Schlenger, 2018. All entries in this blog (including embedded photos) are copyrighted by the author, unless otherwise indicated. Excerpts and links may be used, provided that credit is given to Michael Schlenger and https://www.klassiker-runde-wetterau.com with appropriate and specific direction to the original content.

 

 

 

 

 

4 Gedanken zu „So schön kann der Winter sein: Dixi 6/24 PS Tourer

  1. ein sehr gutes Bild ! interessant wie gleichartig die Bauweise der vorderen Kotflügel über Jahre und Fabrikate hinweg doch sein konnte. Austin, Dixi DA1 , Dixi 6/24 . Sehr interessant der Fahrtrichtungsanzeiger (?) : manuell oder doch schon elektrisch? oder ist es ein anderes hinweisgerät – es ist nur links ? und ein Bowdenzug daran? Das Auto scheint fabrikneu mit alten Ersatzrädern beidseits….. Eine kompliziert gebaute Windschutzscheibe mit Ecken wie beim Ihle , scheinbar auch schwenkbares Glas : eine Super-Klimaanlage an heissen Tagen !

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    • Der Fahrtrichtungsanzeiger dürfte nur deshalb links angebracht sein, weil der Fahrer rechts ja einfach mit dem Arm zeigen konnte – eine bessere Erklärung habe ich jedenfalls nicht…
      Die Gestaltung der Schutzbleche und der Frontscheibe ist m.E. eher zeit- denn markentypisch, auf jeden Fall alles blitzsauber gearbeitet!

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  2. Ich glaube auch, das die Kotflügelform hier eher zufällig dem späteren Lizenzprodukt DA1 ähnelt, da man bei der Entstehung des 6/24 PS bzw. seines Vorgängers 6/18 PS sicher noch nicht über eine Übernahme des Austin spekulierte. Für ein einheitlicheres Markengesicht dürfte es wohl trotzdem gesorgt haben.
    Der einzelne mechanische Winker fiel mir auch gleich auf. Ein schönes Detail welches ich so noch nicht gesehen habe. Die These, dass man ja rechts die Hand raushalten konnte kann ich bestätigen. Bei unserem DA1 ,ohne diesen einzelnen Winker, bediente man sich für die Fahrtrichtungsanzeige auf der Beifahrerseite einer Winkerkelle um über die Fahrzeugaußenkontur hinaus ein Abbiegen zu signalisieren.
    Weiterhin auffällig ist, dass bei diesem G2 die Anlasskurbel demontiert wurde und die Öffnung mit einer hübschen Chrom- bzw. Nickelblende verschlossen wurde. Das habe ich bei dem Modell so auch noch nie bewusst gesehen.
    Und das Foto zeigt, dass unsere junger Fahrer wohl ein Postler war. Das Kennzeichen RP weist den Dixi als Fahrzeug der Reichspost aus. Da es sich um keinen Lieferwagen handelt, einen Aufbau den es beim 6/24PS ebenfalls gab, wird er wohl nicht als Verteilerfahrzeug sondern eher für die Verwaltung genutzt worden sein.
    Es ist erstaunlich wieviele Bilder doch von den Dixi 6/24 PS Modellen auftauchen, aber die G-Modelle wurden immerhin 2300 mal in Manufaktur gebaut und sind somit das meistgebaute Diximodell nach dem DA1, welche dann schon vom Fließband lief.
    Ein sehr schönes Bild Michael, weiter so mit deinem tollen Blog.

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