Ausflug mit einem raren Vogel – Adler 6/24 PS

Die Wagen des einstigen Frankfurter Qualitätsherstellers Adler gehören zu den häufigsten „Gästen“ auf diesem Oldtimerblog für Vorkriegswagen.

Dabei stehen aber keineswegs die heute noch beliebten Modelle der 1930er Jahre – Adler „Trumpf“ und „Trumpf Junior“ – im Vordergrund, sondern die kaum mehr bekannten Typen der Goldenen Zwanziger.

Schon mehrfach konnten wir hier Originalfotos des ersten Großserienerfolgs der Frankfurter präsentieren. Gemeint ist der Adler 6/25 PS, von dem zwischen 1925 und 1928 über 6.000 Exemplare gebaut wurden.

Speziell für Leser, die das Modell noch nicht kennen, hier eine bislang unveröffentlichte Aufnahme aus der Sammlung des Verfassers:

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Adler 6/25 PS; Originalfoto aus Sammlung Michael Schlenger

Typisch für den Typ 6/25 PS sind die schüsselförmigen Scheibenräder – üblich waren zuvor Holz- oder Drahtspeichenräder – und der flache Kühler mit dem ins Kühlernetz hineinragenden dreieckigen Adler-Emblem.

Nebenbei: Sieht der Vorgarten im Hintergrund nicht erfreulicher aus als die sich auch vor Altbauten ausbreitenden Bruchsteinwüsten mit abgesägten Zäunen und einer pflegeleichten Alibipflanze inmitten von grauem Schutt aus dem Baumarkt?

An solchen Erscheinungen – dem Senken kultureller Standards auf ein funktionelles Minimum – machen Archäologen den Niedergang von Kulturen aus. Dass wir uns hier an historischen Fotos alter Autos ergötzen, steht dem nicht entgegen…

Zurück zum Adler 6/25 PS: Kaum bekannt und in der Literatur so gut wie nicht festgehalten ist, dass er einen ähnlichen Vorläufer hatte, den Typ 6/24 PS.

Hier haben wir eine zeitgenössische Originalaufnahme, die wahrscheinlich einen dieser raren Vögel zeigt, von denen nur rund 500 Stück entstanden:

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Adler 6/24 PS; Originalfoto aus Sammlung Michael Schlenger

Diese Aufnahme, die wohl anlässlich eines Ausflugs mit der Familie entstand, zeigt den Adler bei einer möglicherweise gestellten Startprozedur.

Denn der Wagen besaß sicher bereits einen elektrischen Anlasser. Zu den sonstigen technischen Daten lässt sich aber nur wenig sagen.

Die Steuer-PS lassen vermuten, dass er wie der spätere Adler 6/25 PS über einen konventionellen Vierzylinder mit 1,6 Liter Hubraum verfügte. Über die Zahl der Gänge und die Art der Bremse (Zwei- oder Vierradbremse) ließ sich nichts in Erfahrung bringen. Möglicherweise wissen versierte Leser dazu mehr.

Klarheit besteht dagegen im Hinblick auf die formalen Unterschiede zum 6/25 PS-Typ. Folgender Ausschnitt lässt die Details besser erkennen:

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Die Kühlerpartie sieht zwar sehr ähnlich aus, doch die Drahtspeichenräder sprechen gegen das Adler 6/25 PS-Modell, das es nur mit Scheibenrädern gab.

Die seitlichen Schürzen an den Vorderschutzblechen sind ein nachträglich angebrachtes Zubehör, das eine starke Verschmutzung des Wagens bei ungünstigen Straßenverhältnissen verhinderte. Eine solche Ausstattung sieht man auch auf Fotos des Nachfolgers 6/25 PS (Beispiel).

Typisch für den Adler 6/24 PS dagegen ist der nach unten schlanker werdende Karosseriekörper – hier zu erkennen am scheinbar schrägen Verlauf der Luftschlitze in der Motorhaube.

Diese „Tulpenform“ ist ein formales Relikt aus der Zeit vor dem 1. Weltkrieg. Beim späteren Adler 6/25 PS verlaufen die Seitenteile der Motorhaube senkrecht, was den Wagen in Kombination mit den Scheibenrädern moderner wirken lässt.

Erwähnenswert ist auch die vertikale Unterteilung der Frontscheibe des Adler 6/24 PS, die nur auf der Fahrerseite oben ausstellbar ist. Auf Fotos des Nachfolgetyps 6/25 PS sieht man stets durchgehende Windschutzscheiben.

Wie immer sind weiterführende Hinweise von sachkundigen Lesern willkommen, denn der Verfasser ist kein Adler-Spezialist – er hat schließlich Dutzende andere untergegangene Vorkriegsmarken zu „betreuen“.

Vielleicht hat ja sogar jemand eine zündende Idee, was für ein Wagen sich hinter dem zigarrerauchenden Schirmmützenträger abzeichnet…

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© Michael Schlenger, 2017. All entries in this blog (including embedded photos) are copyrighted by the author, unless otherwise indicated. Excerpts and links may be used, provided that credit is given to Michael Schlenger and http://www.klassiker-runde-wetterau.com with appropriate and specific direction to the original content.

 

Ein Adler Tourenwagen mit Reifen von Peter’s Union

Wenn man der Statistik dieses Oldtimerblogs trauen darf, schätzen Adler-Freunde im In- und Ausland die Fotogalerie mit historischen Originalfotos von Wagen der einst so angesehenen Frankfurter Marke besonders.

Bei der Gelegenheit darf ganz unbescheiden festgestellt werden, dass es nach Kenntnis des Verfassers im Netz keine vergleichbare chronologische Sammlung originaler Adler-Autofotos gibt.

Vielleicht schafft es der sonst so rührige Adler Motor Veteranen Club irgendwann einmal, für Adler-Interessenten eine mit aussagefähigen Bildern versehene lückenlose Typenhistorie aufzubauen – Material muss ja vorhanden sein.

Bis dahin betrachten wir das Defizit als Aufforderung, selbst dazu beizutragen, Lücken in der Dokumentation früher Adler-Automobile zu schließen. Und das tun wir mit folgender Aufnahme:

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Adler Doppel-Phaeton; Originalfoto aus Sammlung Michael Schlenger

Das ist ein Wagen nach dem Geschmack der Freunde richtig alter deutscher Autos. Denn hier haben wir es mit einem Typ aus der Zeit vor dem 1. Weltkrieg zu tun.

Aufgenommen wurde das Bild wohl Anfang der 1920er Jahre, dafür spricht jedenfalls das Erscheinungsbild der vier jungen Männer in dem Auto.

Hat man sich die insgesamt nicht vielen, aber zumindest halbwegs aussagefähigen Abbildungen früher Adler-Wagen in der Literatur schon öfters zu Gemüte geführt, so ist die Ansprache der Marke ein Kinderspiel.

Versetzen wir aber uns in die Lage eines Adler-Novizen, wie der Verfasser vor kurzem auch noch einer war, und tasten wir uns schrittweise heran:

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Der auf den ersten Blick rechteckige Kühler weist bei genauem Hinsehen überall geschwungene Linien auf. Aus dem spitzen Winkel auf der Aufnahme sieht man gut, wie die obere Einfassung des Kühlernetzes leicht nach unten durchhängt.

Auch der obere Abschluss der Kühlermaske ist weich und lebendig geformt, so etwas fiel nicht aus einer Stanze, sondern wurde von kundiger Hand gefertigt.

Aus der nach vorn abfallenden Oberseite ragt der Kühlwasserstutzen empor, der einen Adler mit ausgebreiteten Schwingen trägt.

Zu einem Adler aus der Zeit vor dem 1. Weltkrieg passen die zylinderförmigen Nabenkappen mit sechs Befestigungsmuttern und das aus einem gedoppelten Blech aufgebaute Vorderschutzblech, das hinter dem Rad nach unten abknickt.

Für sich genommen wäre keines der Elemente ein ausreichendes Indiz, doch in der Summe ergibt sich so das stimmige Bild eines Adler der Baujahre 1912-14.

Ein identisches Fahrzeug ist auf Seite 26 des Standardwerks „Adler Automobile“ von Werner Oswald abgebildet. Dort ist das Auto als Typ 12/30 PS bezeichnet.

Denkbar sind auch stärkere Motorisierungen, die zeitgleich verfügbar waren, beispielsweise das 15/40 PS-Modell. Äußerlich unterschieden sich diese Mittelklassetypen allenfalls durch den Radstand.

Gemeinsam waren ihnen Vierzylindermotoren mit seitlich angebrachten Ventilen, die direkt von der Nockenwelle gesteuert wurden – was zwar präzise war, aber einen strömungsungünstigen Einlasstrakt mit sich brachte.

Die Höchstleistung war eine Funktion des Hubraums, der bei den größeren Adler-Modellen vor dem 1. Weltkrieg von gut 3 bis über 9 Liter reichte.  Ansonsten gab es ein 4-Gang-Getriebe, auf das auch die Außenbackenbremse wirkte.

Nach dem 1. Weltkrieg baute Adler erst einmal die alten Modelle weiter, jedoch mit dem noch 1914 eingeführten modischen Spitzkühler. Daher können wir hier sicher sein, dass wir es mit einem Vorkriegsmodell zu tun haben.

Doch die lässige Attitüde, mit der der junge Mann neben dem Chauffeur seine Zigarette im Mund hält, verweist auf die Nachkriegszeit. Wer vier Jahre Materialkrieg überstanden hatte, gab auf die alten Umgangsformen nichts mehr.

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Uns interessiert aber an dieser Stelle etwas anderes: der Kunstlederüberzug des Reserverrads mit der Aufschrift „Peters Union“. Wenn jemand da mit den Achseln zuckt – das ist keine Bildungslücke.

Die Firma Peters ist eine längst vergessene Reifenfabrik aus Frankfurt/Main, die sich selbst als „Älteste Pneumatikfabrik Deutschlands“ bezeichnete. Vollständig lautete der Firmenname „Mitteldeutsche Gummiwarenfabrik Louis Peter„.

Der Gründer des Unternehmens hieß Friedrich Ludwig Peter und stammte aus Nordhessen. Seine Reifenfirma gehörte eine Weile zu den führenden deutschen Herstellern, wurde aber Ende der 1920er Jahre von Continental geschluckt.

Übrigens fertigt Continental noch heute im alten Korbacher Werk der Peters Union AG Autoreifen – ein schönes Beispiel für industrielle Kontinuität.

Der Vollständigkeit halber ein abschließender Blick auf die Heckpartie unseres sechssitzigen Adler-Tourenwagens:

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Nur selten kann man die Details der Hinterachspartie eines über 100 Jahre alten Wagens so gut erkennen wie hier: Adler-typisch sind in jener Zeit die zwölf Befestigungsbolzen des Hinterrads und dessen recht kleine Nabenkappe.

Ungewöhnlich klar ist die hintere Blattfederaufnahme wiedergegeben, die bei Nachkriegsmodellen von einem Blechgehäuse verdeckt wurde. Typisch für die Zeit vor dem 1. Weltkrieg ist zudem der flotte Schwung des Schutzblechs nach hinten.

Eine derartig detailreiche Aufnahme eines frühen Adler-Modells ist bereits eine Rarität. Ob es überhaupt ein überlebendes Fahrzeug dieses Typs gibt, ist zweifhaft.

Doch in der Hinsicht ist alles möglich – Adler-Automobile wurden einst weltweit verkauft – vielleicht schlummert noch irgendwo eines…

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Adler 3GD Kübelwagen – Bilderserie von 1939-45

Ein Oldtimerblog, der sich mit PKW der Vorkriegszeit aus historischer Perspektive beschäftigt, kommt an deren militärischen Nutzung im 1. und erst recht im 2. Weltkrieg nicht vorbei.

Unter der Vielzahl eingezogener Privatwagen oder beim Gegner erbeuteter Autos gibt es Erstaunliches zu entdecken, zum Beispiel einen Jaguar bei der deutschen Kriegsmarine.

Interessant sind außerdem die technisch und teilweise auch formal auf zivilen PKW basierenden Kübelwagen, die für Reichswehr und Wehrmacht gebaut wurden.

Bei dem Stichwort denkt man zuerst an den legendären VW Typ 82 „Kübelwagen“, doch schon vor dessen Entstehung lieferten Firmen wie BMW, Hanomag, Horch, Mercedes und Wanderer zahlreiche Kübelwagen ans Militär.

Heute geht es um ein spezielles Modell eines weiteren Herstellers – Adler aus Frankfurt am Main. Dessen frühe Kübelwagenmodelle 12N-RW und 12N-3G haben wir bereits besprochen.

Nun ist der letzte von Adler gefertigte Kübelwagentyp 3GD an der Reihe, der von 1936-40 in mehr als 4.000 Exemplaren gebaut wurde. Entsprechend zahlreich verfügbar sind Originalaufnahmen des Modells:

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Adler 3GD Kübelwagen; Originalaufnahme aus Sammlung Michael Schlenger

Auf dieser kurz vor Kriegsausbruch 1939 entstandenen Aufnahme sehen wir rund 20 Wagen des Typs Adler 3 GD fein säuberlich aufgereiht, wie man das in Friedenszeiten zu tun pflegte.

Zu erkennen ist die im Unterschied zu den Vorgängern vorn abgerundete Kühlermaske. Sie entsprach der Linienführung der zivilen Modelle Trumpf, Primus und Diplomat ab 1936. Auch die Radkappen scheint man übernommen zu haben.

Davon abgesehen folgte die Gestaltung funktionellen Gesichtspunkten. Technisch hatte sich übrigens gegenüber dem Vorgänger 12N-3G nicht allzuviel getan.

Verbaut wurde ein 60 PS leistender 6-Zylindermotor, der konstruktiv noch auf dem 2,9 Liter-Aggregat des Adler Standard 6 der späten 1920er Jahre basierte und für dessen Nachfolger Diplomat lediglich etwas verfeinert worden war.

Im Vergleich zum Adler-Kübelwagen des Typs 12N-3G hatte man jedoch das Chassis erheblich verlängert. Hier kommen die Dimensionen des Wagens zur Geltung:

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Adler 3GD Kübelwagen; Originalfoto aus Sammlung Michael Schlenger

Auf dieser undatierten Aufnahme sieht der Adler Kübelwagen schon gut gebraucht aus. Doch die lässige Haltung der drei Mannschaftsdienstgrade und das Fehlen militärischer Ausrüstung sprechen für eine Entstehung in sicherer Umgebung.

Auch der Verzicht auf das Mitführen großer Benzinkanister – meist hinter dem Ersatzrad eingeklemmt – verrät, dass dieser Wagen noch keinen scharfen Einsatz erlebt hat.

Auf der nächsten Aufnahme wird es aber ernst – hier hat jemand in seinem Kübelwagen stehend eine vorausfahrende Kolonne fotografiert, die gerade eine von Pionieren gebaute Behelfsbrücke passiert:

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Wehrmachts-Kolonne beim Übersetzen über die Maas 1940; Originalfoto aus Sammlung Michael Schlenger

Auf der Rückseite des Abzugs ist lapidar vermerkt „Maasübergang 1940“. Das Bild muss also kurz nach dem Beginn des Frankreichfeldzugs entstanden sein.

Hier dürften wir es mit der Nachhut der weiter vorn kämpfenden Truppe zu tun haben, denn die Kameraden im Mercedes vor uns wirken entspannt wie auf einer Urlaubsfahrt. Der Melder auf dem Krad hätte in Frontnähe auf jeden Fall seinen Karabiner umgehängt gehabt.

Näher ans Kriegsgeschehen führt uns das nächste Foto – wieder mit einem Adler 3GD Kübelwagen, diesmal von vorn:

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Adler 3GD Kübelwagen; Originalfoto aus Sammlung Michael Schlenger

Deutlich sieht man hier die für den Adler-3GD typischen hohen Kotflügelausschnitte und die bei anderen Kübelwagentypen ebenfalls anzutreffende massive Stoßstange mit darüber angebrachten Abschlepphaken.

Auf dem Bild trägt auch der Fahrer des Wagens einen Stahlhelm; hier ist die Front ganz in der Nähe, während die Kolonne am Waldrand Halt gemacht hat. Der Abzug trägt umseitig den Vermerk „Bei Hautmont“.

Damit befinden wir uns kurz hinter der belgischen Grenze im Département Nord. Die Industriestadt Hautmont wurde am 18. Mai 1940 vom Infanterieregiment 84 erobert, das am Tag zuvor die Maginotlinie durchbrochen hatte.

So ist es gut möglich, dass dieses Foto Angehörige dieser Einheit zeigt.

Keine vier Wochen später waren das französische Heer und das englische Expeditionskorps geschlagen, Frankreich kapitulierte und sollte bis 1944 unter deutscher Besatzung bleiben.

Aus dieser Zeit nach Ende der Kämpfe stammt die folgende Aufnahme:

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Adler 3GD Kübelwagen; Originalfoto aus Sammlung Michael Schlenger

Hier steht ein Adler 3GD zur Mittagszeit in der Sonne vor einem schlossartigen Bau in der Nähe von Loury im nordfranzösischen Loire-Gebiet.

In solchen herrschaftlichen Bauten waren die deutschen Stabsoffiziere untergebracht; die Besitzer mussten sich dann auf beengtem Raum mit den ungeladenen „Gästen“ arrangieren.

Wer als Wehrmachtssoldat unter solchen Bedingungen in Frankreich stationiert blieb, konnte sich glücklich schätzen, zumindest bis zur alliierten Invasion 1944.

Nach dem Fall Frankreichs ging es 1941 gegen Russland und dort wurden Mensch und Material vor bis dahin unbekannte Herausforderungen gestellt. Auch die Adler-Kübelwagen wurden nicht geschont:

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Adler 3GD Kübelwagen; Originalfoto aus Sammlung Michael Schlenger

Hier geht es beherzt durch eine Furt, im Schlepptau eine 3,7 cm-Panzerabwehrkanone. Offenbar befindet man sich noch auf sicherem Territorium mit deutscher Luftüberlegenheit. Darauf weist das Hoheitsabzeichen auf der Motorhaube hin, das den Wagen aus der Luft als eigenes Fahrzeug kenntlich macht.

Doch die Dynamik der Aufnahme und die schwere Waffe lassen vermuten, dass man sich nicht weit vom Kampfgeschehen befindet. Übrigens fällt auf, dass Qualität und Menge solcher Aufnahme mit zunehmender Kriegsdauer abnahmen.

Darin schlug sich die verschärfte Ressourcenknappheit und die Überforderung der Truppe nieder, die sich ab 1942 im Osten in endlosen Abwehrkämpfen befand.

Und so findet man immer seltener Aufnahmen, die noch von friedlichen Situationen irgendwo im Hinterland künden, wie das folgende Foto:

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Adler 3GD Kübelwagen; Originalfoto aus Sammlung Michael Schlenger

Auf dieser leider verwackelten Aufnahme rollt ein Adler 3GD einer Luftwaffeneinheit auf uns zu. Vermutlich ist die Aufnahme im besetzten Frankreich oder Belgien entstanden, wo keine Gefahr drohte – daher der Verzicht auf Tarnüberzüge und sonstige militärische Ausrüstung.

Merkwürdig ist die Kühlerverkleidung aus horizontalen Lamellen, auf denen das Adler-Emblem angebracht ist. Möglicherweise handelt es sich um eine Improvisation oder eine Schutzvorrichtung für das dahinterliegende Kühlernetz.

Erklärungen dafür wie auch für den merkwürdigen Gegenstand auf der in Fahrtrichtung rechten Kühlerseite sind willkommen.

Wie das Kühlergitter eigentlich aussah, lässt sich auf folgender Aufnahme studieren:

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Adler 3GD Kübelwagen; Originalfoto aus Sammlung Michael Schlenger

Hierbei handelt es sich um das späteste Foto eines Adler 3GD aus der Sammlung des Verfassers. Es ist im Jahr 1944 im (noch) verbündeten Rumänien entstanden, offenbar weit von der näherrückenden Roten Armee entfernt.

Der Adler scheint bis dahin ein recht ruhiges Leben gehabt zu haben, vielleicht gehörte er zu einer Nachschubeinheit. Das Nummernschild wirkt wie gerade erst montiert, nur der abgefahrene Vorderreifen kündet von intensiver Nutzung.

Sicher leistete der Wagen den Männern in den verbleibenden Monaten bis Kriegsende noch gute Dienste beim Zurückweichen nach Westen. Jedenfalls sind diese Autos in der Spätphase des Kriegs meist restlos verschlissen worden und wurden erst bei Benzinmangel irgendwo stehengelassen.

Aus den letzten Kriegstagen liegen naturgemäß kaum noch Fotos auf deutscher Seite vor, sodass wir hier keinen Adler 3GD gegen Kriegsende zeigen können. Auch scheint es heute hierzulande so gut wie keine einsatzfähigen Exemplare mehr zu geben.

Was wir aber bieten können, ist ein Farbfilm, der einen Adler 3GD im April 1945 bei der entscheidenden Schlacht um die Seelower Höhen zeigt, in der sich die Rote Armee den Weg nach Berlin freikämpfte.

Tatsächlich entstanden sind diese Aufnahmen freilich erst 2015, und zwar beim Nachstellen einer Episode aus diesen Kämpfen durch eine russische Reenactment-Gruppe.

Zum Einsatz kommt dabei ein originaler Adler 3GD Kübelwagen, während einige andere Fahrzeuge – speziell die deutschen Panzer – Nachbauten sind.

© Videoquelle YouTube; hochgeladen von Trofmash

In der hier zu sehenden Kurzfassung ist der Kameramann anfänglich in dem Adler unterwegs. Anschließend bis 1:10 min ist der Wagen von außen in Aktion zu sehen.

Die russischen Restauratoren haben bei dem Wagen ganze Arbeit geleistet. Bei der übrigen Ausrüstung ist ebenfalls dieselbe Akribie zu erkennen, die auch bei britischen Veranstaltungen dieser Art an den Tag gelegt wird.

Verständlicherweise ist die Begeisterung für das Nachstellen solcher historischen Ereignisse hierzulande nicht ganz so ausgeprägt. Doch Respekt verdienen solche Aktivitäten allemal, wenn sie ernsthaft betrieben werden und der Erinnerung an ein Geschehen dienen, das Europa bis heute prägt.

So mahnen auch die hier gezeigten Fotos vom Einsatz der Adler-Kübelwagen an den Weltkriegsfronten dazu, einem friedlichen Umgang mit den benachbarten Völker den Vorzug vor dem Schüren neuer politischer Konflikte zu geben.

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1914: Im Kleinen Adler in den Großen Krieg…

Der Titel des heutigen Eintrags in diesem Oldtimerblog enthält gleich zwei Attribute in Großbuchstaben – Tippfehler oder Absicht?

Wer hierzulande noch in der Zeit vor dem „Schreiben nach Lust und Laune“ die Schule absolviert hat, weiß vermutlich, dass man das im Deutschen macht, wenn Attribut und Substantiv zusammen einen festen Begriff darstellen.

Wem das zu komplex ist, der sei einfach auf den legendären „Weißen Riesen“ aus der Waschmittelwerbung verwiesen…

Zurück zum Kleinen Adler: Das ist kein frisch geschlüpfter Greifvogel, sondern war das Einstiegsmodell der Frankfurter Qualitätsmarke vor über 100 Jahren:

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Originale Adler-Reklame aus der Zeitschrift „Die Jugend“ von 1913, aus Sammlung Michael Schlenger

Um 1910 verfügten Adler-Modelle meist über opulente Leistungen zwischen 30 und 70 PS. Diese Hubraumriesen waren allerdings mit Aufbau sehr schwer –  Fahrvergnügen im sportlichen Sinn konnte da nicht aufkommen.

Es gab daher ein Interesse an kompakten Autos, die trotz geringer Leistung einen lebendigeren Charakter hatten  – das war die Geburtsstunde des „Kleinen Adler“.

Er hatte einen damals ungewöhnlich kleinen Hubraum von 1,3 bis 1,5 Liter. Zur Erinnerung: das war vor über 100 Jahren, moderne Literleistungen waren undenkbar.

So kam der Kleine Adler damals mit 13 bis 16 Pferdestärken daher – heute klingt das niedlich, doch einst waren das Kräfte, die einem ohne Auto für die individuelle Mobilität nicht annähernd zu Gebote standen.

Legt man die noch existierenden Originalfotos jener Zeit als Maßstab zugrunde, scheint sich der Kleine Adler einiger Beliebtheit erfreut zu haben, speziell der offene Zweisitzer. Ein schönes Winterfoto davon haben wir hier bereits präsentiert.

Nach Ausbruch des Ersten Weltkriegs 1914 erwartete die Adler-Kleinwagen eine ungeplante Karriere:

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Adler KL 5/13 PS Zweisitzer, Originalfoto aus Sammlung Michael Schlenger

Wie auch die ähnlich motorisierten Wanderer-Modelle bewährten sich die leichten, doch zuverlässigen Fahrzeuge unter Frontbedingungen besser als viele PS-starke, doch übergewichtige Wagen.

Hier haben wir es mit einem Spitzkühlermodell zu tun, wie es Adler ab 1913/14 anbot. Für den kleinvolumigen Motor spricht die im Vergleich zur restlichen Partie bis zur Frontscheibe sehr kurze Haube.

Drahtspeichenfelgen, verstellbare Scheibe, Radstand und der badewannenartige Aufbau passen perfekt zum Adler Zweisitzer des Typs KL 5/13 PS. 

Der ernst in die Kamera blickende Fahrer war ein einfacher Heeressoldat. Vermutlich fuhr er einen Stabsoffizier umher, was ihm das Schicksal seiner in den Materialschlachten verheizten Kameraden ersparte.

Die Aufschrift auf der Motorhaube des Adler verweist auf das Generalkommando des 12. Armeekorps aus Sachsen. Es war den gesamten Ersten Weltkrieg über in Frankreich eingesetzt, seine Reste kehrten erst Ende 1918 in die Heimat zurück.

Die Briten nennen das vierjährige Morden, dem die dafür verantwortlichen Politiker auf keiner Seite ein Ende machen wollten, bis heute „The Great War“. Damit ist gerade nicht gemeint, dass Sie den dank amerikanischer Hilfe gewonnenen Krieg irgendwie „großartig“ (englisch „great“) fanden.

Nein, in England ist „The Great War“ in der kollektiven Erinnerung schlicht der Krieg schlechthin im 20. Jahrhundert. Kein anderer Konflikt kostete so viele junge britische Soldaten das Leben, auch nicht der 2. Weltkrieg.

Die Engländer gedenken bis heute in würdevoller Weise der unzähligen Männer, denen vor 100 Jahren nicht vergönnt war, ihr kaum begonnenes Dasein zu leben. Man darf das heute ruhig auf die Opfer auf der anderen Seite übertragen, die sich ihr Schicksal ebensowenig ausgesucht haben…

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Rarer Vogel: Adler 6/25 PS als sportlicher Zweisitzer

Dieser Oldtimerblog lässt die Welt der Vorkriegsautos im deutschsprachigen Raum wiederaufleben – in historischen Fotos aus der Sammlung des Verfassers.

Dabei wird kein Akzent auf Marken- oder Typenebene gesetzt: Gezeigt wird hier alles an Automobilen, was die Fotoalben der Generation hergeben, die in unseren Tagen abtritt. So lässt sich ein repräsentatives Bild des einstigen Fahrzeugbestands und der Rolle zeichnen, die Vorkriegsautos einst spielten.

Zwar ist es betrüblich, wenn die Angehörigen mit den Hinterlassenschaften ihrer Altvorderen nichts anzufangen wissen. Da bleibt am Ende eines langen Lebens ein Stapel von Fotos, die durch dick und dünn behütet wurden, und dann werden die Bilder in alle Winde zerstreut…

Doch so gelangen wir an oft wichtige Zeugnisse aus den frühen Tagen der automobilen Fortbewegung und können zumindest sie der Nachwelt erhalten. Dabei gelingen immer wieder schöne Entdeckungen, selbst bei konventionellen Modellen:

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Adler 6/25 PS Tourenwagen; Originalfoto aus Sammlung Michael Schlenger

Dies beispielsweise ist ein Ausschnitt aus einem Foto, unter das einst jemand mit weißer Tinte „Stadtpartie Dinkelsbühl“ ins Fotoalbum schrieb. Und so treffen wir einen alten Bekannten wieder – den Adler 6/25 PS.

Das von 1925 bis 1928 gebaute Modell ist auf diesem Blog bereits zahlreich vertreten, der einstigen Verbreitung gemäß meist als Tourenwagen wie auf obigem Foto. Allerdings konnten wir auch bereits eine Landaulet-Ausführung dingfest machen.

Das Mittelklassemodell war der erste größere Erfolg von Adler nach dem 1. Weltkrieg. Es zeichnete sich weniger durch technische Kabinettstückchen als durch grundsolide Konstruktion aus. Über 6.000 Stück wurden davon gebaut.

Wirklich selten – damals wie heute – ist aber die Ausführung des Adler 6/25 PS, die wir auf folgendem Foto sehen:

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Adler 6/25 PS, 2-sitziges Cabriolet; Originalfoto aus Sammlung Michael Schlenger

Für die Leser, die dem Adler 6/25 PS bisher noch nicht begegnet sind, gehen wir gleich auf die Partien ein, an denen man das Modell als solches erkennen kann.

Dabei sind die Adler-Typen der Zwischenkriegszeit noch recht einfache Fälle. Im Fundus des Verfassers schlummern zahllose Aufnahmen derselben Epoche, bei denen nicht einmal sicher ist, um welchen Hersteller es sich handelt…

Wenn die Leute heute klagen, dass die meisten Autos gleich aussehen, ist ihnen meist nicht bewusst, dass das in der Frühzeit des Automobils nicht viel anders war.

Der Unterschied aus Sicht des Verfassers ist der: Heute wirken viele Großserienautos wie ein grob behauener Klotz, dessen Form ohne erkennbare Logik in alle Richtungen wuchert.

Dagegen weist unser Adler 6/25 PS wie die meisten Fahrzeuge der Zwischenkriegszeit eine wohltuend klare, konzentrierte Linienführung auf:

adler_6-25_ps_cabriolet_frontpartie

Die Marke Adler manifestiert sich hier mustergültig auf zweifache Weise: Die in den Kühlergrill hineinragende dreieckige Plakette mit dem stilisierten Adler trugen alle Modelle nach dem 1. Weltkrieg bis Anfang der 1930er Jahre.

Die Adler-Kühlerfigur dagegen findet sich nicht immer. Entweder verzichtete der Besitzer darauf oder er montierte ein Maskottchen seiner Wahl.

Nur beim 6/25 PS-Modell findet sich ein anderes Detail: Links und rechts des Adler-Emblems verläuft der Rand der Kühlermaske zunächst waagerecht, bevor er nach unten „abbiegt“. Bei allen übrigen Flachkühlermodellen von Adler der 1920er Jahren steigt die Linie der Kühlereinfassung zum Adler-Emblem hin an.

Typisch sind außerdem die stark einwärts gewölbten Scheibenfelgen mit kleinem Lochkreis. Die schlanken Proportionen des 6/25 PS-Typs fallen nur im direkten Vergleich mit den größeren Adler-Modellen der 1920er Jahre ins Auge.

Wirklich interessant wird es aber, wenn wir uns die Heckpartie des Adler 6/25 PS auf dem Foto vornehmen:

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Diese Partie liegt schon stark im Schatten und außerhalb des Schärfebereichs des Objektivs. Obwohl es ein sehr sonniger Tag war, wählte der Fotograf einst eine kleine Blende mit geringer Tiefenschärfe – das lässt sich nicht mehr korrigieren.

Doch folgen wir mit dem Auge der Karosserielinie, wie sie der Hemdsärmel des Fahrers nachzeichnet: Kurz hinter dem Türende beginnt sich bereits das Verdeck aufzutürmen und darunter fällt das Heck scharf ab.

Kein Zweifel: Das ist keiner der verbreiteten Tourenwagenversionen des Adler 6/25 PS. Hier haben wir es mit einem 2-sitzigen Cabriolet zu tun.

Der Adler 6/25 PS war ab Werk als solch ein offener Zweisitzer verfügbar, wie zeitgenössische Prospekte belegen (danke an Christian Rioth diesbezüglich).

In der spärlichen Literatur zu Adler findet man außerdem einen roadsterähnlichen Sport-Zweisitzer mit Speichenfelgen sowie wuchtiger wirkende Cabriolets mit 2 Sitzen von Karmann und Papler.

Auf zeitgenössischen Fotos findet man diese Ausführungen nur selten, umso erfreulicher ist diese Aufnahme, für die Passagiere und Umstehenden vor über 90 Jahren entspannt posierten:

adler_6-25_ps_cabriolet_passagiere

Hinweise auf überlebende Wagen dieses Typs sind willkommen!

Frauchens Favorit im Winter: Adler „Standard 6“

Der Januar 2017 war hierzulande der kälteste seit 30 Jahren und selbst die „coolsten“ Typen mit Russenkappe und Vollbart sind dankbar, dass es nun wieder milder wird.

Unsere Altvorderen hätten freilich kein großes Aufhebens um ein paar Wochen mit Minusgraden gemacht. Sie hätten auch – zum Beispiel – den Nutzen einer Sitzheizung schon deshalb nicht begriffen, weil sie gar kein Automobil besaßen…

Vor 80 Jahren gelangte man auch in der kalten Jahreszeit auf dem Land zu Fuß, mit dem Rad oder der Eisenbahn zur Arbeit. In der Stadt gab es die Straßenbahn und die genialen O-Busse, von denen man in unseren Tagen nichts mehr zu wissen scheint.

Wer vor dem 2. Weltkrieg in Deutschland überhaupt ein Automobil besaß, gehörte zu einer privilegierten Minderheit. Vor lauter Begeisterung übersahen diese reichen Leute, dass Kraftwagen meist ohne Heizung ausgeliefert wurden.

Unser heutiges Foto beweist aber, dass einige Automobilisten der Vorkriegszeit sich zu helfen wussten:

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Klar ist, dass dieses Foto im Winter entstanden sein muss. Schnee ist zwar nicht zu sehen – aber die Kühlerverkleidung verrät, dass wir uns in der kalten Jahreszeit befinden.

Heute, da der Kunde endlich im Mittelpunkt steht, ist es irritierend zu sehen, dass der Anbieter der Kühlermaske vor über 80 Jahren darin eine Aussparung vorgesehen hat, die das Herstelleremblem des Wagens sichtbar ließ. 

Ob das heute noch jemand für gerade einmal 20.000 Fahrzeuge machen würde? Denn hier geht es um ein Auto, das in dieser Ausführung von 1927-30 in sehr überschaubaren Stückzahlen gebaut wurde – der Adler Standard 6!

Dass wir es mit einem der großzügigen Sechszylinder der traditionsreichen Frankfurter Adlerwerke zu tun haben, verraten einige Details:

adler_standard_6_damen_mit_hund_frontpartieDie stilisierte Adler-Kühlerfigur und das erwähnte Firmenemblem sagen alles über den Hersteller. Der ab 1927 gebaute 6-Zylinder-Wagen ist an den sieben Radmuttern erkennbar.

Die Vorgängermodelle 10/50 PS und 18/80 PS hatten zwar mehr Leistung, mussten aber noch ohne hydraulische Vierradbremse und Ganzstahlkarosserie auskommen . Wie der 4-Zylindertyp 6/25 PS verfügten sie nur über fünf Radbolzen.

Der Aufbau des Adler Standard 6 war in formaler Hinsicht konventionell, wenn man von Sonderaufbauten absieht, wie sie unter anderem Karmann fertigte. Ein Beispiel für eine solche rare Spezialkarosserie wird hier demnächst vorgestellt.

Heute müssen wir uns mit der 6-Fenster-Limousine begnügen, wie sie vom Karosseriewerk Ambi-Budd in Berlin zugeliefert wurde:

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Der Einstieg nach hinten wirkt hier etwas knapp bemessen, doch die Passagiere wurden durch eine opulente Sitzbank entschädigt. Sie bot eine Beinfreiheit, von der man in heutigen Oberklassewagen nur träumen kann.

So wirkt auch die Dame im Fonds trotz kühler Witterung durchaus vergnügt. Zum  Wohlbefinden mag auch der Hund auf ihrem Schoß beitragen: „Wie gut, dass mich Frauchen nicht herauslässt, hier drin gefällt’s mir deutlich besser. Auch die Aussicht ist ganz vorzüglich. Wie gut, dass ich ihr Favorit bin!“

Tja, was großzügigen Innenraum und Übersichtlichkeit angeht, scheinen wir demgegenüber wirklich „auf den Hund gekommen zu sein.“ Was aber das Thema „Favorit“ im Zusammenhang mit Adler angeht, werden wir gelegentlich noch mit einer ganz anderen Sichtweise konfrontiert werden…

In der Glut des Südens: BMW 326 Cabriolet

Nach einigen Wochen Dauerfrost in weiten Teilen des Landes – wir befinden uns in der zweiten Hälfte des Monats Januar 2017 – mag der Titel verlockend vorkommen.

Doch Vorsicht: Wie im gleichnamigen Film von 1978 kann die Sache tragisch ausgehen. Oder möchte wirklich jemand mit dem gut gebräunten Burschen auf folgendem Foto tauschen, der irgendwo im sonnigen Süden Wache schiebt?

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BMW und Adler Cabriolets; Originalfoto aus Sammlung Michael Schlenger

Sicher, so ein BMW-Vorkriegs-Cabriolet hat seinen Reiz und wir schauen es uns auch gleich näher an. Selbst der brave Adler daneben erfreut heute die Herzen, wenn auch nicht unbedingt in dieser Lackierung.

Doch wohin hat es uns hier bloß verschlagen? Leider ist das Foto nicht beschriftet, sodass wir von dem wenigen ausgehen müssen, was wir zuverlässig erkennen können.

Der Schlüssel zum mutmaßlichen Aufnahmeort ist die Uniform des Soldaten, der sich hier mit geschultertem Karabiner K98 neben dem BMW hat ablichten lassen.

bmw_326_und_adler_trumpf_junior_sudfront_ausschnitt1Er trägt eine weit geschnittene Baumwollhose mit Schulterklappenhemd, wie sie im 2. Weltkrieg an deutsche Soldaten an der Südfront ausgegeben wurden. Damit kommen die Kriegsschauplätze in Griechenland und Nordafrika (ab 1941) in Frage.

Gegen Afrika spricht die dunkle Farbe des Stoffs – Fotos des Afrika-Korps zeigen meist von der Sonne ausgeblichene Uniformen. Auch die Fahrzeuge tragen eine dunkle Lackierung, die nicht an Wüstenverhältnisse angepasst war.

Der BMW ist noch in gutem Zustand, das spricht ebenfalls gegen einen materialmordenden Einsatz in der Wüste. Dort hätte man auch die verräterisch glänzende Chromniere überlackiert, die hier ausgespart wurde.

Von der Frontpartie her kommen mehrere BMW-Typen der späten 1930er Jahre in Frage. Doch nur zwei davon trugen die charakteristische geknickte Frontscheibe: der für seine Eleganz gerühmte BMW 326 und der etwas schwächere 320/321.

Die beiden 45 PS-Typen BMW 320 und 321 können wir ausschließen. Sie waren zwar auch als 2-türiges Cabriolet erhältlich, ihnen fehlte aber die aufgesetzte Zierleiste entlang der Motorhaube.

Es bleibt nur der im Detail feiner ausgeführte 326er, der über denselben 6-Zylinder mit 2 Liter Hubraum verfügte, aber 50 PS leistete. Er wurde von 1936-41 in knapp 7.000 Exemplaren gebaut.

Diese repräsentativen und komfortablen Wagen waren beliebte Stabsautos bei der Wehrmacht. Man kann sich vorstellen, wie wenige davon den Krieg überlebt haben.

Anders sieht das beim daneben stehenden Adler Trumpf Junior aus, von dem einst rund 100.000 Exemplare auf der ganzen Welt unterwegs waren. Auch wenn etliche davon im Krieg eingesetzt worden sind, war die Überlebensquote bei diesen gefälligen Frontantriebswagen recht hoch.

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Unser Soldat – offenbar ein einfacher Mannschaftsdienstgrad – hat also den richtigen Instinkt bewiesen, als er sich näher an dem seltenen BMW postierte.

Die Beschränkung auf zwei Magazintaschen am Koppel und der Verzicht auf einen Stahlhelm sprechen dafür, dass er hier einen Fuhrpark irgendwo im Hinterland bewachte. Möglicherweise war dies ein Sammelplatz für aktuell nicht benötigte Fahrzeuge, zumal diese keinerlei Tarnung aufweisen.

Der LKW im Hintergrund zwischen dem BMW und dem Adler könnte ein englisches Beutefahrzeug sein. Das lässt sich mit einer gezielten Recherche noch aufklären.

So sehr man sich in diesen Tagen nach einem heißen Sonnentag sehnen mag, so dankbar darf man sein, wenn einem eine Situation wie diese irgendwo in Südeuropa vor über 70 Jahren erspart bleibt und man die Autos jener Zeit heute ohne Sorge um Leib und Leben genießen kann.

Dafür nimmt man doch gern ein paar Minusgrade in Kauf…

Kriegt er noch die Kurve? Adler Typ 12N-3G Kübel

Wer derzeit – wir schreiben Januar 2017 – als Autofahrer mit dem Winterwetter hadert, kann sich damit trösten, dass alles noch viel schlimmer sein könnte.

Was soll erst der Besitzer des Citroen DS der 1960er Jahre sagen, der bis gestern vor dem Haus des Verfassers stand – ein herrlicher, tiefschwarzer Wagen aus dem fernen Düsseldorf. Der scheint sich keine Sorgen wegen des bisschen Schnees gemacht zu haben, sonst hätte er die „Göttin“ gewiss zuhause gelassen.

Und das wäre schade gewesen – denn die DS ist im Einerlei der Gegenwartsgefährte immer wieder eine Offenbarung. Nie wieder erlangte ein Auto die beeindruckende Präsenz einer Skulptur auf Rädern und war zugleich technisch so brilliant.

Doch halt, dieser Oldtimerblog ist ja ganz und gar Vorkriegsautos gewidmet.

Immerhin hat die DS einen Bezug dazu: Ihr Schöpfer Flaminio Bertoni gestaltete auch den ebenso legendären Citroen Traction Avant der 1930er Jahre. Zudem wurde die DS mit dem nur wenig weiterentwickelten Motor des Vorkriegsmodells gebaut.

Da haben wir die Kurve ja gerade noch einmal gekriegt! Und mit diesem Stichwort kommen wir zu folgender Originalaufnahme:

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Adler 12N-3G Kübelwagen, aufgenommen vor Kriegsausbruch auf einem Truppenübungsplatz

Zugegeben: Außer etwas Schnee, viel Schlamm und einem unscharf aufgenommenen Wagen in kühner (?) Fahrt sieht man auf den ersten Blick nicht viel.

Wer würde sich heute in einem offenen Viersitzer im Winter in ein solches Gelände wagen? Klar, in England würden Veteranenfreunde vermutlich bloß bemängeln, dass das Auto nicht direkt durch die Pfütze gescheucht wird, und fragen, ob man sich noch zu diesem „Trial“ anmelden kann…

Aber hierzulande ist es schon länger her, dass man sich solchen Verhältnissen aussetzte – und das in den meisten Fällen auch nicht freiwillig. Denn das Foto zeigt einen Adler-Kübelwagen auf einem Truppenübungsplatz in den 1930er Jahren.

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Es mag täuschen, aber dieser Kübelwagen scheint eine größere Schräglage aufzuweisen, als es nach dem Gefälle des Geländes zu erwarten wäre.

Im ungünstigsten Fall rutscht er gerade über die Seite nach unten und befindet sich kurz vor dem Überschlag. Darauf könnte die Haltung der Insassen hindeuten, die sich dem Abwärtsrutschen entgegenzustemmen scheinen.

Oder der Wagen ist gerade dabei, den Abhang wie eine Steilkurve zu befahren. Dazu wollen aber die Fahrspuren nicht so recht passen. Nun, hoffen wir, dass die Sache glimpflich ausgegangen ist…

Das Fahrzeug lässt sich anhand der Form der Motorhaube und des Kühlers als Adler Kübelwagen des Typs 12N-3G identizieren. Basierend auf dem zivilen Modell „Standard 6“ wurde er von 1933-35 in großer Anzahl für die deutsche Reichswehr gebaut und auch nach Beginn des 2. Weltkriegs eingesetzt.

Hier haben wir ein besonders schönes Beispiel:

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Adler 12N-3G Kübelwagen, aufgenommen am Altenhof bei Trier

Die Tarnüberzüge über den Scheinwerfern sprechen für eine Aufnahme nach Kriegsbeginn, doch das frische Nummernschild und der Ernährungszustand der Soldaten lassen noch auf eine recht frühe Aufnahme schließen.

Das Fehlen von Bewaffnung und Stahlhelmen legt eine Entstehung fernab der Front nahe. Tatsächlich wurde das Foto in offenbar heiterer Stimmung an der noch heute existierenden Gaststätte Altenhof bei Trier aufgenommen. 

Dergleichen Lustfahrten mit Wehrmachtsgerät wurden mit fortschreitendem Krieg schwieriger, auch die gute Filmqualität lässt auf 1939/40 schließen. Ob diese hier so fröhlichen Soldaten im Adler Kübelwagen im weiteren Geschehen ebenfalls alle „die Kurve gekriegt“ haben, darf bezweifelt werden.

Von den über 18 Millionen von 1939 bis 1945 eingezogenen deutschen Soldaten sind weit über 5 Millionen gefallen und zahllose weitere verwundet worden.

Anders gesagt: Auf solchen Fotos von Wehrmachtssoldaten kann man bei mindestens jedem dritten davon ausgehen, dass er den von verantwortungslosen Eliten angezettelten und bis zum bitteren Ende weitergefochtenen Krieg nicht überlebt hat.

So steht unser Adler-Foto sinnbildlich für eine Mentalität selbstherrlicher Führerfiguren, die bei den von ihnen geschaffenen Problemen nicht mehr die Kurve kriegen, die Kontrolle verlieren und die Dinge ins Rutschen bringen …

„Winterauto“ vor 100 Jahren: ein Adler KL-Typ

Beim Stichwort „Winterauto“ denken die meisten Freunde von Vorkriegswagen an ein irgendein älteres Billigmobil, das sie in der kalten Jahreszeit bewegen, während der heißgeliebte Oldtimer irgendwo Wintschlaf hält.

Nach Beobachtung des Verfassers sind die sagenhaft robusten Mercedes der 1980er Jahre – speziell der 190er und die S-Klasse der Baureihe 126 – beliebte Wintermobile. Sie sind günstig zu haben, formal Klassiker, doch technisch modern.

Vor rund hundert Jahren dagegen war jedes Auto zugleich ein Winterauto, selbst dann wenn es offen war, wie das bei frühen Fahrzeugen meist der Fall war. Viele Winterfotos aus der Zeit vor und nach dem 1. Weltkrieg belegen das – hier ein Beispiel:

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Adler KL-Typ, Bauzeit 1912-20 (dieser Wagen wohl nach 1918), Foto aus Sammlung Michael Schlenger

Das ist ein veritables Bilderbuchfoto und in einigen Teilen des Landes sieht es seit dem Jahreswechsel auch so aus – leider nur ohne offenen Zweisitzer eines bis heute renommierten, doch leider untergegangenen Herstellers.

Zu Marke und Typ kommen wir gleich. Interessant ist an der Aufnahme, dass hier mindestens zwei Fahrzeuge in einer malerischen Winterlandschaft unterwegs waren. Die beiden Herren hinter dem Auto – offenbar Zwillinge – und der Fotograf hätten jedenfalls nicht auch noch in den kompakten Wagen gepasst.

Wer diesen Oldtimerblog verfolgt, erinnert sich möglicherweise an ein ähnliches Modell, das anhand eines alten Fotos besprochen wurde. Bei dem Wagen auf dem heutigen Bild handelt es sich um eine weiterentwickelte Variante:

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Die relativ flache Frontpartie und der Spitzkühler sprechen für eine Entstehung frühestens 1913/14. Im deutschsprachigen Raum blieb dieser schnittige Stil bis nach dem 1. Weltkrieg in Mode.

Da die meisten Hersteller nach Kriegsende erst einmal die bis 1914 gebauten Modell wiederauflegten, ist die Datierung oft nicht einfach. Auch die Motorisierung muss mangels eindeutiger Hinweise und brauchbarer Dokumente häufig offen bleiben.

Im vorliegenden Fall lässt sich aber der Typ zumindest einengen, die Marke ist anhand der Frontpartie ohnehin gut zu identifizieren:

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Kühlermaske und Form des Einfüllstutzens sprechen klar für einen Wagen des Frankfurter Herstellers Adler.

Die bis heute von Enthusiasten weltweit geschätzte Marke baute von 1912-20 den Kleinwagentyp KL, der den seit 1909 gefertigten K-Typ ablöste. Der KL-Typ war ab 1914 mit einem Spitzkühler erhältlich, wie ihn damals auch die großen Modelle trugen. Drahtspeichenräder wie auf dem Foto waren ebenfalls verfügbar.

Die elektrischen Scheinwerfer sprechen aber eher für eine Entstehung nach dem 1. Weltkrieg, wenngleich Adler für die großen Modelle bereits ab 1913 solche anbot. Motorisiert waren die KL-Typen mit Vierzylindern mit 1,3 bis 2,3 Liter Hubraum.

Die „großen“ Motoren mit über 20 PS waren allerdings den Modellen mit langem Radstand und entsprechend höherem Gewicht vorbehalten. Hier haben wir es wohl mit einer der kleinen Versionen zu tun, die 13 bzw. 16 PS leisteten.

Bei einem Höchsttempo von 50-60km/h war das Fehlen von Vorderradbremsen verkraftbar. Auf Schnee dürfte sich das geringe Gewicht von 600-800 kg positiv bemerkbar gemacht haben, die Schneeketten hinten ebenfalls.

Aus heutiger Sicht mag das alles sehr bescheiden erscheinen. Doch was war die Alternative im Winter vor 100 Jahren? Fahrrad oder Motorrad auf tiefverschneiten Straßen? Und die Eisenbahn fuhr auch damals nur von Bahnhof zu Bahnhof.

Zur Arbeit, zum Kunden, zum Patienten, zu den Verwandten auf dem Land kam man mit so einem Adler Kleinwagentyp auch bei widrigen Bedingungen sehr wohl. Entsprechend zufrieden schaut uns der Besitzer des hübschen Zweisitzers an – auch wenn es damals ein strammer Winter gewesen sein muss.

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Größe ist relativ: Zweimal Adler Standard 6

Auf diesem Oldtimerblog gehört die Bildergalerie, die der einstigen Frankfurter Qualitätsmarke „Adler“ gewidmet ist, zu den am häufigsten besuchten Rubriken.

Dazu trägt nicht nur ein befreundeter Adler-Enthusiast bei, der Gleichgesinnte in der Republik informiert, wenn wieder mal ein „neues“ altes Originalfoto vorgestellt wird.

Auch die internationale Adler-Veteranenszene weiß inzwischen, dass hier eine außerordentliche Sammlung an Fahrzeugfotos speziell aus der Frühzeit der Marke zu bestaunen ist. Die längst verblichene Marke interessiert Freunde von Vorkriegsautos aus Australien, Russland, Skandinavien, England und den USA.

Neben den kaum dokumentierten Adler-Spitzkühlermodellen der Zeit kurz vor und nach dem 1. Weltkrieg werden hier natürlich auch die bekannten Typen der späten 1920er und 1930er Jahre gewürdigt.

Heute ist mal wieder der Adler Standard 6 an der Reihe, der von 1927 bis 1934 als 10/45 PS- bzw. 12/50 PS-Modell gebaut wurde. Technisch war er zwar konventionell, doch machte er mit seiner amerikanisch inspirierten Erscheinung mächtig Eindruck.

Dass Größe relativ sein kann, zeigen die beiden Fotos, die wir heute vorstellen. Nr. 1 zeigt einen Adler Standard 6 vor dem traditionsreichen Hotel Krone in Assmannshausen am Mittelrhein:

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© Adler Standard 6; Originalfoto aus Sammlung Michael Schlenger

Vor der spektakulären Architektur kann man auch heute noch den Hut ziehen. Einen so mächtigen Baukörper gefällig und abwechslungsreich zu gestalten, das ist eine Kunst, die im Einerlei der Schuhkartonmoderne verloren gegangen ist.

Das fast vollkommen erhalten gebliebene Gebäude steht für die Fähigkeit der Architekten des 19. Jahrhunderts, auf das historisch gewachsene Umfeld Rücksicht zu nehmen und eine dauerhaft anziehende Form zu finden – eine von der Bauhausideologie komplett zerstörte Tradition.

Vor dem eindrucksvollen Bau wirkt sogar der großzügige Adler Standard 6 keineswegs protzig, beinahe bescheiden. Selbst in der Ausschnittsvergrößerung scheinen die Dimensionen nicht aus dem Rahmen zu fallen:

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Das Einzige, was hier auffällt: Der Adler steht offenbar im Parkverbot! Also, gleich das Kennzeichen notieren und den Touristen aus Rheinhessen auf der Wache verpfeifen. „Der hat bestimmt einen Riesling zuviel intus, der Kapitalist!“

Nun, vermutlich hat man bei einem kurzen Fotohalt an der Rheinfront damals ein Auge zugedrückt. Im Übrigen sieht es dort heute noch fast genauso aus wie vor 80 Jahren, zum Glück.

Um nun den Adler Standard 6 wieder ins rechte Bild zu rücken, schauen wir uns Aufnahme Nr. 2 an, die eine spätere Ausführung des Wagens zeigt:

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© Adler Standard 6; Originalfoto aus Sammlung Michael Schlenger

Hier sehen wir die ab etwa 1930 gebaute Version mit senkrechten Luftschlitzen in der Motorhaube. Auch die sachlicher gehaltene Kühlermaske mit dem nach oben gewanderten Adler-Emblem unterscheidet den Wagen von frühen Ausführungen.

Es gibt aber noch ein Detail, das diesen Adler Standard 6 besonders macht:

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Beim Blick durch die Frontscheibe sieht man nämlich ein Schild mit der Aufschrift „Frei“ – das Auto muss also ein Taxi sein.

Dem Kennzeichen nach zu urteilen, ließen sich mit diesem Wagen einst Leute im Rheinland ins Theater fahren oder von einer Gesellschaft heimbringen. Dabei bot der Adler im Fond reichlich Platz auch für ausladende Abendgarderobe.

Als Taxi kenntlich gemacht war der Wagen auch am Heck, und zwar in Form des umlaufenden Schwarzweißmusters.

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Interessanterweise spiegelt sich in den Seitenscheiben das Heck eines weiteren Taxis und die Front eines anderen Wagens.

Unser Adler-Besitzer scheint mit sich und der Welt zufrieden zu sein, die Zigarre in der linken Hand lässt ein gutes Auskommen vermuten. Ihn bringt auch der vermutlich nagelneue Mercedes 170V hinter seinem Auto nicht aus der Fassung.

„Schauen Sie nur, werte Dame, was Ihnen mein Adler für generöse Platzverhältnisse bietet. Sie wollen sich doch nicht etwa bücken müssen, um im Mercedes der Konkurrenz Platz nehmen zu können.“

Und an den Herrn gerichtet: „Mercedes-Wagen werden überschätzt. Die haben bloß eine rasante Optik mit schrägem Kühler und niedrigem Dach. Machen Sie da mal die Haube auf, und was sieht man? Einen Vierzylinder, keine 40 PS! Auf meinen alten Adler-Sechszylinder mit 50 Pferden lasse ich nichts kommen…“

Tja, dennoch galt Mitte der 1930er Jahre ein Adler Standard 6 als überholt. Schneidige Karosserien waren trotz niedriger Geschwindigkeit im Alltag der letzte Schrei, da konnten die schlichten Formen der 1920er nicht mehr mithalten.

Zum Glück wussten doch einige Leute den Wert eines Adler zu schätzen und hoben einen auf. Heute ist ein Standard 6 eine Rarität, die jeden 170er Mercedes in den Schatten stellt. „Steigen Sie mal hinten ein, meine Dame, Sie bemerken gleich den Unterschied…“