Mathis – der „andere“ Autohersteller aus dem Elsass

Wer Veranstaltungen mit Automobilen der Vorkriegszeit besucht, gewinnt leicht den Eindruck, das Straßenbild sei damals von Wagen der Oberklasse beherrscht worden.

Zwar blieb bis nach dem 2. Weltkrieg der Besitz eines Autos ein Privileg – vor allem in Deutschland, wo die Massenmotorisierung eher spät einsetzte. Doch fuhren auch hierzulande die wenigstens mit einem Mercedes herum. Verbreiteter waren Fahrzeuge von Großserienherstellern wie Adler, DKW, Hanomag und Opel.

Bei unseren französischen Nachbarn sah das ähnlich aus. Einstige Sport- und Luxuswagenmarken wie Bugatti oder Delahaye sind dank ihrer grandiosen Kreationen auch heute noch bekannt. Ihre Präsenz auf Veranstaltungen steht aber in keinem Verhältnis zu ihrer einstigen Verbreitung.

© Bugatti und Delahaye; Bildrechte: Michael Schlenger

Dabei finden sich gerade bei den einstigen französischen Herstellern der Mittelklasse neben Citroen, Peugeot und Renault weitere interessante Marken, die zu Unrecht vergessen sind. Dazu gehört Mathis – ein Unternehmen, das wie Bugatti im Elsass ansässig war.

Vermutlich wissen nur Spezialisten, dass der Gründer der Marke – der Autogroßhändler Emil Mathis aus Straßburg – mit dem jungen Ettore Bugatti befreundet war. Die Bekannntschaft der beiden schlug sich in der Produktion eines Wagens nieder, der von Bugatti konstruiert worden war und 1904-06 von Mathis vertrieben wurde.

1910 erschien dann der erste Wagen, der den Namen Mathis auf dem Kühler trug. Dabei handelte es sich wohl um Lizenznachbauten von Fiat; teilweise wird auch Stoewer aus Stettin als Lizenzgeber genannt. 1912 erschien die erste Eigenkonstruktion von Mathis.

Nach dem 1. Weltkrieg konzentrierte sich Mathis auf Qualitätswagen der Mittelklasse und war zeitweilig der viertgrößte Autobauer Frankreichs. Aus dieser Zeit stammt das folgende Originalfoto:

Mathis EMY 6_Ende_1920er_Jahre

© Mathis EMY 6, Ende der 1920er Jahre; Originalfoto aus Sammlung Michael Schlenger

Das Foto ist leicht verwackelt, doch es zeigt klar einen Mathis des Typs EMY SIX, wie aus der Kühleraufschrift ersichtlich ist. Dieses 1927 vorgestellte 6-Zylindermodell trug erstmals die neue Kühlerfigur der Marke, eine stilisierte Flamme.

Auf dem Foto ist die Figur nur von vorne zu sehen, daher hier eine zeitgenössische Abbildung des Kühlers in der Seitenansicht:

Mathis EMYSIX_Kühler_1927

© Kühler eines Mathis EMY 6, Originalabbildung von 1927; Bildquelle: http://www.mathis-auto.com

Der obere Abschluss des Kühlers sieht bei unserem Foto baujahrsbedingt zwar anders aus, die runde Plakette mit dem MATHIS-Schriftzug und die Typbezeichnung stimmen aber überein. Die Buchstabenkombination EMY scheint keine tiefere Bedeutung gehabt zu haben, während SIX auf den 6-Zylinder-Motor verweist.

Die verbauten Aggregate verfügten je nach Baujahr (1927-34) über einen Hubraum von 1,7 bis 4,0 Liter und leistete zwischen 38 und 67 PS. Geschaltet wurde über ein Vierganggetriebe, wie es bei Mathis bereits sehr früh Standard war. Die Bremsen des Mathis EMY 6 wurden zeittypisch noch mechanisch betätigt und auch das Fahrwerk war konventionell (Starrachsen an Blattfedern).

Um welche der werksseitig verfügbaren Karosserievarianten es sich auf unserem Foto handelt, ist aufgrund der Perspektive schwer zu sagen, wahrscheinlich ist es ein 4-türiges „Faux-Cabriolet“, also eine Limousine mit cabrioartiger, doch fester Dachpartie. Der obere Kühlerabschluss spricht für das Modell EMY-6 „FO“, das von 1928-30 gebaut wurde:

Mathis EMY 6_Ausschnitt

Nach Auslaufen der Modellreihe EMY-SIX (1934) schloss sich Mathis mit der französischen Ford-Niederlassung zusammen, um bis zum 2. Weltkrieg Autos unter der Bezeichnung Matford zu produzieren.

Nach Kriegsende gehörte Mathis zu den Herstellern, für die im Rahmen der Industriepolitik der französischen Regierung kein Platz vorgesehen war und systematisch von Ressourcen ausgeschlossen wurden (sog. „Pons“-Plan).

Der letzte Mathis wurde 1950 gebaut und die Fabrik wurde 1954 vom früheren Konkurrenten Citroen übernommen. Eine ausführliche Beschreibung der Marken- und Typengeschichte (auf französisch) ist hier zu finden.

Vorfreude auf die Classic Days 2016 auf Schloss Dyck

2015 wurden auf dem herrlichen Areal von Schloss Dyck unweit von Düsseldorf zum zehnten Mal die fabelhaften Classic Days zelebriert.

Wenn es sie nicht gäbe, müsste man sie glatt erfinden, denn eine zweite Klassikerveranstaltung dieser Größenordnung, in der das Umfeld sowie die Vielfalt und Qualität des Gebotenen zu einem harmonischen Ganzen verschmelzen, gibt es in Deutschland kein zweites Mal.

© Impressionen von den Classic Days 2015; Bildrechte: Michael Schlenger

Hier kommen nicht nur die Freunde klassischer Fahrzeuge der 1950er bis 60er Jahre auf ihre Kosten – auch die Vorkriegsfraktion ist stets mit einer erlesenen Auswahl an seltenen und eindrucksvollen Gefährten vertreten.

Besonders charmant: Man kann einen Großteil der Autos in Aktion erleben, denn auf einer eigens abgesperrten Rundstrecke treten die ganze Veranstaltung über die unterschiedlichsten Felder an.

Zwar wird überwiegend gemächlich gefahren, doch beim Start der Motoren im Fahrerlager und beim Einnehmen der Startaufstellung kommt durchaus Rennatmosphäre auf. Viele Besucher genießen das Treiben bei einem entspannten Picknick.

© Impressionen von den Classic Days 2015; Bildrechte: Michael Schlenger

Übrigens lohnt es sich, bereits am Freitagnachmittag über das weitläufige Gelände zu flanieren. Ein Großteil der Fahrzeuge steht dann schon an seinem Platz oder trifft nach und nach ein. Gleichzeitig ist die Besucherzahl noch überschaubar und man kann ungestört fotografieren.

Neben den obigen Bildern der Classic Days 2015 soll auch der folgende Film Appetit auf die Neuauflage am 5. bis 7. August 2016 machen. Er nimmt sich viel Zeit für die Veranstaltung und gibt die Atmosphäre in allen ihre Facetten wieder.

© Videoquelle: Vimeo; Urheberrecht: Guido Marx

Mit dem Film lassen sich auch Zeitgenossen für die Classic Days gewinnen, die sich bisher nicht für altes Blech und laute Motoren erwärmen konnten. Der Magie des Ortes und der prachtvollen Vehikel kann man sich jedenfalls kaum entziehen.

Auf ein Wiedersehen im Sommer 2016!

Bugattis & Co. auf Malta: Valetta Grand Prix

Auf der Insel Malta südlich von Sizilien sind die Zeugen von 6000 Jahren europäischen Geschichte in einer Weise verdichtet wie sonst kaum irgendwo auf so engem Raum.

Von den Zeugen früher Hochkultur in der Jungsteinzeit über die Befestigungen aus der spanischen Epoche und der Blütezeit des Malteserordens bis hin zum englischen Flottenstützpunkt im 2. Weltkrieg – hier ist die Historie allgegenwärtig.

Vor dieser grandiosen Kulisse hat sich in den letzten Jahren eine fabelhafte Veranstaltung für klassische Sportwagen etabliert, der Valletta Grand Prix oder auch Mdina Grand Prix. Historisch hat es zwar nie einen Grand Prix auf Malta gegeben, aber der Name steht für den Anspruch der örtlichen Enthusiasten, etwas wahrhaft Großartiges zu schaffen – und das ist ihnen gelungen.

Nach dem Auftakt im Jahr 2007 auf einem Kurs rund um La Valletta drohten die Ambitionen der Veranstalter in den Folgejahren an allerlei Hürden zu scheitern. Doch mit der Verlegung der Strecke nach Mdina, der alten Haupstadt der Insel setzte ab 2012 der internationale Erfolg ein. Seither gelingt es, auch hochklassige Fahrzeuge aus England und Frankreich anzuziehen, darunter etliche Bugattis.

Die Strecke führt durch Teile der Altstadt und über kurvige Landstraßen – ideal für leichte und handliche Sportwagen. Und so wird im Rahmen des Erlaubten durchaus beherzt gefahren, wie der folgende Film der Veranstaltung von 2013 zeigt:

© Videoquelle: Vimeo; Urheberrecht: Pineapple Media

Besonders reizvoll sind die „Jagdszenen“ mit Bugatti-Rennwagen des Typ 35, die zeigen, wie agil diese filigranen, doch leistungsstarken Fahrzeuge immer noch sind. Größere Wagen hatten dagegen Schwierigkeiten, auf der Strecke mit ihren oft engen Kurvenradien mitzuhalten.

Bugatti_Typ35_ClassicDays_SchlossDyck

© Bugatti Typ 35, Classic Days Schloss Dyck 2013; Bildrechte: Michael Schlenger

Attraktiv für das Publikum ist die Veranstaltung nicht nur deshalb, weil hier zahlreiche Vor- und Nachkriegswagen zum ersten mal überhaupt auf Malta im sportlichen Einsatz zu erleben sind. Auch das übrige Programm, das unter anderem einen Concours d’Elegance umfasst und unterschiedliche Teile der Insel einbezieht, kann sich sehen lassen.

Wer auf den Geschmack gekommen ist und der Mittelmeerperle Malta schon immer einen Besuch abstatten wollte, sollte sich den 8./9. Oktober 2016 notieren – dann findet der nächste Valletta Grand Prix statt.

Zur Einstimmung eignet sich der folgende Film, in dem Eindrücke von den Reizen Maltas mit Szenen aus der sehenswerten historischen Rennsportveranstaltung miteinander verwoben sind:

© Videoquelle: YouTube; Urheberrecht: Corinthia Palace Hotel Malta / Valletta Grand Prix Foundation