Bilderbuch-Tourenwagen: Ein Dürkopp P8 A

Dieser Oldtimerblog stützt sich bei der Besprechung historischer Originalfotos von Vorkriegsautos auf ein ganzes Arsenal einschlägiger Bücher.

Von den brillianten Werken zu den vier einstigen Auto-Union-Marken abgesehen, spiegelt ein Großteil dieser Literatur aber noch den Kenntnisstand und Bildbestand der 1970/80er Jahre wider.

Es gibt immerhin einige Hoffnungsschimmer: Michael Schick wird 2017 sein vergriffenes Buch zur Edelmarke Steiger wieder auflegen – für den Verfasser in automobiler Hinsicht die Nachricht des Jahres. Dann gibt es da ein Werk zu AGA von Kai-Uwe Merz – mit dieser Marke werden wir uns auch noch beschäftigen.

Düster aus sieht es aber bei einst angesehenen deutschen Herstellern wie Brennabor, Dürkopp und Presto. Völlig ohne markenspezifische Literatur ist man auf die wenigen Fotos im „Oswald“ (Deutsche Autos von 1920-45) aus dem Jahr 1977 angewiesen.

Nehmen wir Dürkopp als Beispiel. Die Fotos im Fundus des Verfassers lassen sich den überlieferten Modellen teils nur mit erheblicher Unsicherheit zuordnen. Immerhin konnten hier mit einiger Hinsicht Wagen der Typen P8 und P 10 identifziert werden.

Heute wollen wir uns einen weiteren Dürkopp vornehmen und eine Hypothese zum mutmaßlichen Typ aufstellen. Weiterführende Hinweise sachkundiger Leser sind natürlich willkommen.

Im Hinblick auf das folgende Foto sind zwei Dinge sicher: Es handelt sich um einen Dürkopp-Tourenwagen der 1920er Jahre und es ist eine Bilderbuch-Aufnahme.

durkopp_p8a_tourer_spate_1920er_galerie

© Dürkopp P8 A; Originalfoto aus Sammlung Michael Schlenger

Das ist ein Foto, an dem man sich kaum satt sehen kann. Ein großzügiger Tourenwagen mit Spitzkühler kontrastreich und gestochen scharf aufgenommen, dazu noch vier Insassen, die aufmerksam und freundlich in die Kamera schauen.

Der mutmaßliche Fahrer des Wagens, der diese Situation einst vor rund 90 Jahren für uns einfing, verstand nicht nur etwas von Autos. Hier beherrschte jemand auch den Umgang mit Tiefenschärfe, Licht und Schatten, was die Schwarzweißfotografie bis heute so faszinierend macht.

Genug des Lobes, schauen wir uns den Wagen systematisch an:

durkopp_p8a_tourer_spate_1920er_frontpartie

Der Spitzkühler entspricht dem von Benz nach dem 1. Weltkrieg verbauten Typ – wäre da nicht das „D“ in einem dreieckigen Emblem, das auf Dürkopp verweist.

Die Verchromung der Kühlermaske und der scharf geschnittene Bug sind Unterscheidungsmerkmale gegenüber dem hier bereits vorgestellten Dürkopp 8/24 PS Typ 8, wie er von 1919-24 gebaut wurde.

Auch die enger beieinanderliegenden Luftschlitze und die Chromeinfassung der Windschutzscheibe verweisen zumindest auf ein höherwertiges, eventuell weiterentwickeltes Modell.

Denkbar ist, dass wir es hier mit einem Dürkopp Typ P8 A zu tun haben, der bei sonst identischer 4-Zylinder-Motorisierung 32 PS aus 2,1 Liter leistete. Der Wagen wurde von 1924-27 gebaut und war etwas länger als der Vorgänger P8.

Leider sind die Reifendimensionen auf dem Foto nicht zu lesen, denn der Typ P8 wich auch hier vom Typ P8 ab, wenn man der Literatur Glauben schenken darf.

Ob sich die Identifikation des Typs bestätigt oder nicht, wird die Zeit zeigen. Im Unterschied zum gedruckten Buch hat ein Internetblog den Vorteil, dass neue Erkenntnisse sofort verarbeitet werden können.

Dürkopp-Freunde dürfen sich übrigens auf das Foto eines 6-Zylindertyps freuen, der hier demnächst präsentiert wird. Für heute lassen wir es dabei bewenden und schauen uns noch einmal die Insassen des eindrucksvollen Dürkopp-Tourenwagen an:

durkopp_p8a_tourer_spate_1920er_heckpartie

Man geht wohl nicht fehl, wenn man hier drei Generationen einer Familie sieht. Die Bekleidung ist zünftig – alle tragen Lederjacken oder -mäntel, teilweise mit Pelzkragen. Leder ist auch heute immer noch eine gute Wahl, wenn man guten Kälteschutz mit stilvollem, zu historischen Fahrzeugen passenden Auftritt anstrebt.

Das so freundlich und hoffnungsfroh in die Linse blickende kleine Mädchen auf dem Trittbrett erinnert daran, dass auch Kinder nicht unbedingt wie kunterbunte Knallbonbons gekleidet herumlaufen müssen.

Das Foto dürfte Ende der 1920er entstanden sein, also könnte die Kleine auf dem Trittbrett heute als alte Dame noch unter uns weilen. Der Dürkopp dagegen ist mit hoher Wahrscheinlichkeit den Weg vielen alten Blechs gegangen, der hierzulande spätestens nach dem 2. Weltkrieg auf den Schrottplatz führte…

Ein rarer Dürkopp P8 Tourer um 1925

Es soll Leute geben, die sich einen seltenen Vorkriegswagen aus deutscher Produktion zulegen möchten, denen aber Kompressor-Mercedes der Zwischenkriegszeit zu gewöhnlich sind.

Dieser Oldtimerblog bietet anhand historischer Originalfotos reichlich Anregung. Im Angebot wären Tourer von Hansa, NAG, Presto oder Steiger. Aber: Zu diesen Marken gibt es Literatur und Websites von Enthusiasten – das ist nicht exklusiv genug.

Dann sollte man es mit Dürkopp aus Bielefeld versuchen. Moment, waren das nicht Massenfabrikate? Schon, aber das gilt nur für Zweiräder und Nähmaschinen. Die Autos des Bielefelder Konzerns waren dagegen schon immer Raritäten.

Für Liebhaber des Außergewöhnlichen aus deutschen Landen haben wir drei Nachrichten:

Erstens gibt es nach Kenntnis des Verfassers kein Buch über die Dürkopp-Wagen. Man darf also auf keine tiefergehenden Informationen hoffen.

Zweitens zeigt das Standardwerk über deutsche Automobile der Vorkriegszeit (Werner Oswald: „Deutsche Autos 1920-1945“, 1977 ) nur wenige (Prospekt-) Abbildungen von Dürkopp-Wagen und genaue Stückzahlen sind nicht bekannt.

Drittens: Auf diesem Blog gibt es aktuell (Stand: Oktober 2016) ein halbes Dutzend Bilder von Dürkopp-PKW – und zwar aussagefähige originale Fotografien!

Nachdem wir hier zuletzt ein großzügiges Landaulet des Typs Dürkopp P10 vorgestellt haben, ist nun folgende Abbildung an der Reihe:

durkopp_p8_fruh_galerie

© Dürkopp Typ P8, um 1925; Originalfoto aus Sammlung Michael Schlenger

Diese Aufnahme wurde vom Verkäufer als „Mercedes“ angepriesen. Man kann es ihm nicht verdenken: Die Kühlermaske der nach dem 1. Weltkrieg gebauten Dürkopp-Wagen glich auffallend derjenigen von Benz und Daimler.

Wo bei den Mercedes-Spitzkühlerautos jener Zeit der dreizackige Stern saß, befand sich bei Dürkopp ein dreieckiges Emblem mit einem geschwungenen „D“. Heute wäre das plagiatsverdächtig, doch damals stieß sich niemand daran.

durkopp_p8_fruh_frontpartie

Die relativ kurze Motorhaube und die Wahrscheinlicheit sprechen dafür, dass der abgebildete Dürkopp ein Wagen des am häufigsten gebauten kleinen Typs P8 ist.

Das Modell mit seinem 2,1 Liter messenden Vierzylindermotor basierte auf einer Vorkriegskonstruktion und wurde von 1919 bis zum Ende der Dürkopp-Autofabrikation  1927 hergestellt.

Dabei gewann der Typ P8 im Lauf der Jahre nicht nur an Motorleistung (von 24 auf 40 PS), sondern wurde auch äußerlich behutsam modernisiert. Mangels Literatur und datierter Abbildungen um Netz sind diesbezüglich nur Vermutungen möglich.

Am Anfang stand wohl eine Karosserie nach Vorkriegsmanier („Tulpenform“) mit wenigen großen Luftschlitzen in der Haube und relativ flachem Kühler, die hier bereits vorgestellt wurde.

Nach dem 1. Weltkrieg scheint dann zunächst ein ausgeprägter Spitzkühler dominiert zu haben (Beispiel folgt). Um die Mitte der 1920er Jahre kam ein nur noch leicht V-förmiger Kühler zum Einsatz, wofür auf 1924 datierte Fotos des Dürkopp P8 auf einer Automobilausstellung in den Niederlanden sprechen.

Diese mittleren bis späteren Ausführungen besaßen eine lange Reihe schmalerer Luftschlitze wie im Fall des Wagens auf unserem Foto. Auch das elektrisch betriebene Horn spricht für eine Entstehung in den fortgeschrittenen 1920er Jahren.

Wo das Bild entstanden ist, bleibt vorerst ungewiss. Der Dürkopp mit dem frohgemuten Fahrer scheint vor einer Werkstatt oder Tankstelle entstanden zu sein:

durkopp_p8_fruh_chauffeur

Leider weist der Abzug starke Beschädigungen auf, die sich nur teilweise retuschieren ließen. Immerhin erkennt man ein Emaille-Schild im Hintergrund mit dem Schriftzug AGRIPPINA.

Dies stellt einen Bezug zu Köln am Rhein her, denn Agrippina war die 15 n. Chr. in Köln geborene Urenkelin des römischen Kaisers Augustus, Ehefrau von Kaiser Claudius und Mutter von Kaiser Nero – viel prominenter geht’s nicht.

Das Kölner Stadtwappen unter der unleserlichen zweiten Zeile auf dem Schild weist ebenfalls auf die alte Römerstadt hin. Eine Werbung für die einstige Agrippina-Versicherung scheint es nicht zu sein, aber was stattdessen?

Der Mann mit Schirmmütze und Uniform im Hintergrund gehörte übrigens zur Wach- und Schließgesellschaft, erkennbar an den gekreuzten Schlüsseln auf dem Kragen. Diesen Hinweis vedanken wir einem sachkundigen Leser dieses Blogs.

1924: Im Dürkopp P10 Landaulet unterwegs in Berlin

Auf diesem Oldtimer-Blog kommen Freunde deutscher Vorkriegswagen auf ihre Kosten. Denn hier werden nicht nur die Großserienhersteller wie Adler, BMW, DKW, Hanomag, Opel und Mercedes-Benz abgehandelt.

Auch vergessene Marken wie AGA, NAG, Hansa, Protos, Stoewer und Wanderer usw. finden angemessene Würdigung.

Heute widmen wir uns dem Bielefelder Hersteller Dürkopp, aus dessen wenig bekannter PKW-Produktion hier bereits der Typ P8 der 1920er Jahre vorgestellt wurde.

Daneben baute Dürkopp in seinem Werk in Berlin in kleinen Stückzahlen Wagen der Luxusklasse, von denen einer auf folgendem hervorragenden Foto zu sehen ist:

durkopp_p10_10-30ps_im_tiergarten_datiert_1924_galerie

© Dürkopp P10 Landaulet; Originalfoto aus Sammlung Michael Schlenger

Die außerordentliche Qualität dieses Abzugs dürfte dem Einsatz einer großen Plattenkamera zu verdanken sein. Das Negativformat machte eine Vergrößerung überflüssig und das Positiv wurde erkennbar von kundiger Hand geschaffen.

Spektakulär ist aber auch der abgebildete Wagen mit Landaulet-Karosserie. In der spärlichen Literatur über die Automobile von Dürkopp findet sich zum Glück eine exakte Entsprechung. So ist auf Seite 104 des Standardwerks „Deutsche Autos 1920-45“ von Werner Oswald dasselbe Modell abgebildet, dort als Typ P10 bezeichnet.

Der 1914 vorgestellte Wagen hatte einen 2,6 Liter Motor mit 30 PS Leistung. In ähnlichem Erscheinungsbild waren daneben stärkere und größere Typen erhältlich, die zwischen 45 und 70 PS leisteten.

Ihnen gemeinsam war der Spitzkühler mit „Dürkopp“-Emblem auf beiden Seiten:

durkopp_p10_10-30ps_im_tiergarten_datiert_1924_frontpartie

Auf der Nabenkappe ahnt man ebenfalls den Markennamen. Die elektrisch betriebenen Scheinwerfer wie auch die wenig vorteilhafte Kleidung der überrascht schauenden jungen Dame vor dem Wagen verweisen auf die 1920er Jahre.

Fotos jener Zeit zeigen häufig Frauen, die sich zwar aus dem Korsett der Kaiserzeit befreit hatten, nun aber sackartige Kleider überzogen, die ihrer Anatomie wenig schmeichelten. Diese modische Verirrung war zum Glück ein vorübergehendes Phänomen…

Interessant ist allerdings die noch an die Kaiserzeit erinnernde Rocklänge und der breitkrempige Hut. Offenbar war diese junge Dame noch nicht ganz auf der Höhe der Zeit.

Zurück zu dem eindrucksvollen Dürkopp. Zwar verdeckt unser „Fotomodell“ die Motorhaube, doch die Proportionen machen es wahrscheinlich, dass wir es mit einem Wagen des Typs P10 und nicht einer größeren Variante zu tun haben.

Interessanter als die Frage der Motorisierung ist ohnehin der Landaulet-Aufbau:

durkopp_p10_10-30ps_im_tiergarten_datiert_1924_seitenpartie

Hier stellt sich die Frage: Konnte das Verdeck über der Rückbank tatsächlich geöffnet werden, wie es bei einem Landaulet-Aufbau üblich war? Das Fehlen einer Verdeckstange stimmt jedenfalls skeptisch.

Vermutlich wäre zumindest die hintere der beiden Damen dankbar gewesen, in der geschlossenen Kabine unterwegs sein zu können. Die vordere scheint sich mit hohem Kragen, Fuchspelz und Handschuhen eher für kühles Wetter zurechtgemacht zu haben als ihre etwas unglücklich dreinschauende Mitinsassin.

Interessant auch hier der Gegensatz zwischen der mondänen Erscheinung im Vordergrund und der äußerlich noch in der Vorkriegszeit „hängengebliebenen“ Person dahinter.

Einen abschließenden Blick verdienen auch die beiden Herren auf den Vordersitzen:

durkopp_p10_10-30ps_im_tiergarten_datiert_1924_fahrer

Wie beim klassischen Landaulet üblich, ist das Personal weniger komfortabel untergebracht. Immerhin sitzt der Fahrer hier nicht mehr ganz im Freien, wie das zu Kutschenzeiten noch üblich war.

Doch außenliegende Handbremse und Hupe stehen einem Seitenfenster entgegen. Wenigstens der Schalthebel ist im Innenraum angebracht. Man mag das belächeln, doch konnte das Auto nicht von Anfang an die Finessen bieten, ohne die sich viele verunsicherte Zeitgenossen heute kaum noch aus der Garage trauen.

Aufmerksame Beobachter werden registrieren, dass der Fahrer seine Anweisungen über ein Rohr aus dem Innenraum erhielt. Das Pendant dazu ist heute die elektronische Stimme des Navigationsgeräts, das mehr oder minder sinnvolle Befehle gibt.

Im Fall unseres Fotos wissen wir sogar, wie die Anweisung an den Chauffeur dieses Dürkopp Typ P10 einst lautete: „Fahren Sie bitte in den Tiergarten.“ Genau dort in Berlin im Jahr 1924 ist diese beeindruckende Aufnahme entstanden.

Die Personen auf dem Foto schauen uns an, als sei es gestern gewesen. Doch von ihnen ist wohl nichts mehr geblieben als diese Momentaufnahme. So mahnen diese alten Bilder stets auch an die Vergänglichkeit – vielleicht eines der Motive, weshalb kluge Menschen alte Autos lieben…

Sensation für Straßenkinder: Ein Dürkopp Typ P8

Vor rund 100 Jahren war ein Automobil in weiten Teilen Deutschlands noch eine Sensation. Im Unterschied zu Frankreich, England und erst recht den USA war der Motorisierungsgrad der deutschen Bevölkerung nur gering.

Der 1. Weltkrieg wirkte zwar wie ein Brandbeschleuniger auf die technische Entwicklung. Die Folgen von vier Jahren Kriegswirtschaft und die erdrückenden Auflagen des Versailler Vertrags standen aber der weiteren Verbreitung des Autos entgegen.

So machte ein Wagen selbst in Städten vielerorts noch mächtig Eindruck, vor allem wenn es so ein großzügiges Fahrzeug wie auf folgendem Originalfoto war:

Dürkopp_P-Typ_Tourer_Galerie

© Dürkopp Typ P8; Originalfoto aus Sammlung Michael Schlenger

Wenn man sich mit Automobilen der Zeit vor und nach dem 1. Weltkrieg befasst, meint man, einen Tourenwagen dieses Typ schon x-mal gesehen zu haben.

Auf den ersten Blick erscheint alles konventionell: Eckige Haube,  Speichenräder, verstellbare Windschutzscheibe, Reserverad und ein schlichter offener Aufbau für vier bis sechs Personen. So sahen viele Tourenwagen deutscher Hersteller von etwa 1912 bis in die erste Hälfte der 1920er Jahre aus.

Doch beim näheren Hinsehen zeigt sich ein Detail, das die Identifikation der Marke und auch des Typs erlaubt:

Dürkopp_P-Typ_Tourer_Ausschnitt

Seitlich auf der Motorhaube sieht man das obere Ende von vier Luftschlitzen in der Sonne glänzen. Ihre Zahl und die Anordnung im hinteren Bereich finden sich so nur beim Typ P8 der Marke Dürkopp.

Der Name Dürkopp ist vielen Freunden historischer Technik geläufig – allerdings eher für Nähmaschinen, Fahr- und Motorräder. Dass die Bielefelder Firma von 1902 bis 1927 eigenständige Automobile baute, ist wohl weniger bekannt.

Dabei tat sich Dürkopp bis 1914 mit einer Reihe großvolumiger Vierzylinderwagen hervor, die 45 bis 100 PS leisteten. Kurz vor Kriegausbruch stellte man mit dem P-Typ eine Neukonstruktion vor, die ab 1919 weitergebaut wurde. Mit solch einem Dürkopp Typ P haben wir es wahrscheinlich zu tun.

Wie so oft bei untergegangenen deutschen Marken der Frühzeit gibt es in der Literatur nur wenig brauchbares und verlässliches Material dazu. So wird ein und derselbe Dürkopp auf einem Foto in Halwart Schraders Werk „Deutsche Autos 1885-1920“ als 8/30 PS bezeichnet und in Werner Oswalds Darstellung „Deutsche Autos 1920-45“ als 8/24 PS.

Sei’s drum, die Dürkopp P8-Typen sahen jedenfalls genauso aus wie das Fahrzeug auf unserer Abbildung. Bleibt die Frage nach der Motorisierung. Den Dürkopp Typ P8 gab es zwischen 1919 und 1926 mit 2,1 Liter großen Vierzylindermotoren, die anfänglich 24 und zuletzt 40 PS leisteten.

Für die Straßenkinder auf dem Bild dürfte der Dürkopp so oder so sensationell genug gewesen sein:

Dürkopp_P-Typ_Tourer_Kinder

Interessant, dass von den Eltern weit und breit nichts zu sehen ist – sie waren mit der Bewältigung eines harten Arbeitsalltags genug beschäftigt.

Einen Gutteil der Erziehung leisteten damals die älteren Geschwister oder die Nachbarskinder. Man mag das bedenklich finden, doch das andere Extrem der „Helikoptereltern“ von heute ist nicht minder schaurig.

Interessant nebenbei ist das Motorrad mit Riemenantrieb, das hinter dem Heck des Dürkopp hervorlugt. Hier dürfte eine Typbestimmung aussichtslos sein.

Dürkopp_P-Typ_Tourer_Ausschnitt2

Für Dürkopp-Freunde hält der Verfasser übrigens noch eine ganze Reihe hervorragender Originalfotos der 1920er Jahre bereit – dazu demnächst mehr…