Ganz schön von oben herab: Hanomag „Sturm“ Cabrio

Treue Leser dieses Oldtimerblogs für Vorkriegsautos werden sich an das eine odere Foto des 1934 vorgestellten Spitzenmodells „Sturm“ des deutschen Maschinenbaukonzerns Hanomag erinnern.

Zuletzt hatten wir hier einen Bericht mit drei Fotos des Modells mit Limousinenaufbau gebracht. Cabrio-Versionen wurden hier und hier vorgestellt.

So gesehen stellt der Wagen, um den es heute geht, keine Neuigkeit dar – was nach über 80 Jahren auch keiner ernsthaft erwarten wird. Bemerkenswert ist aber der Blickwinkel, aus dem wir uns dem Fahrzeug nähern.

„Ganz schön von oben herab“ ist nicht zufällig der Titel des heutigen Blog-Eintrags, er passt hervorragend zur Werbung von Hanomag für das „Sturm“-Cabriolet:

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Hanomag-Reklame aus Westermanns Monatsheften ab 1937; Original aus Sammlung Michael Schlenger

„Besonders schnell und lebendig“ soll der Hanomag „Sturm“ demnach gewesen sein. Die Rede ist von der ab 1937 verfügbaren Version mit 55 statt zuvor 50 PS aus dem 2,3 Liter großen Sechszylinder.

Damit war eine Höchstgeschwindigkeit von knapp 115 km/h drin – mehr als genug für die Autobahn, aber besonders schnell war das schon damals nicht.

Der BMW 319 beispielsweise schaffte das mit seinem nur 1,9 Liter „großen“ Sechszylinder mit gerade einmal 45 PS auch. Ebenfalls mithalten konnte der von Kennern geschätzte Fiat 1500, dessen Sechszylinder sogar noch kompakter ausfiel.

Der Hanomag „Sturm“ war dagegen ein ziemlich dicker Brocken mit wenig strömungsgünstiger Karosserie – in dieser Hinsicht war vor allem der modernere Fiat 1500 klar im Vorteil, der auch in Deutschland gebaut wurde.

Dank kurzen Radstands und relativ leichtem Aufbau war das Cabriolet etwas agiler als die Limousine, doch letztlich ließ der aus dem Vierzylinder des „Rekord“ abgeleitete Seitenventiler des Hanomag „Sturm“ mit nur einem Vergaser keine sportliche Charakteristik erwarten.

Insofern haben die Reklameleute von Hanomag damals ganz schön dick aufgetragen, aber das war ja auch ihre Aufgabe. Von Kundenbeschwerden über mangelnde Sportlichkeit des „Sturm“ ist jedenfalls nichts überliefert.

Wer in den 1930er Jahren einen Hanomag kaufte, erwartete vor allem die Zuverlässigkeit eines Maschinenbauerprodukts.

Zudem bot das Modell „Sturm“ mit seinen eindrucksvollen Dimensionen sicher ein gewisses Prestige vor allem in Kreisen, in denen ein „großer Wagen“ mehr zählte als technische Raffinesse.

Ganz gleich wie das Image des in weniger als 5.000 Exemplaren gebauten Hanomag „Sturm“ einst war, heute wäre einem mit dem großzügigen Wagen wohl mehr Aufmerksamkeit sicher als mit manchem hochgejazzten „Garagengold“.

Die Besitzer eines der wenigen Überlebenden dieser Spezies dürfen sich jedenfalls glücklich schätzen. Mit einem so nobel daherkommenden Auto verträgt sich eine Perspektive „ganz schön von oben herab“ nämlich vorzüglich:

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Hanomag „Sturm“ Cabriolet; Originalfoto aus Sammlung Michael Schlenger

Ein solcher Blick auf die Cabriolet-Ausführung des Hanomag „Sturm“ dürfte Seltenheitswert besitzen.

Dabei gilt es zu bedenken: Zum einen wurde nur ein Teil der „Sturm“-Modelle mit offenem Aufbau ausgeliefert. Zum anderen wurden viele der robusten Hanomags im 2. Weltkrieg im Einsatz bei der Wehrmacht verschlissen.

„Unser“ Hanomag scheint eines der wenigen Exemplare gewesen zu sein, die das Inferno überstanden haben. Er trägt nämlich vorne ein Besatzungskennzeichen, dem „B“ nach zu urteilen, wurde es in der britischen Zone ausgestellt:

Hanomag_Sturm_Ambi-Budd_Nachkrieg_Ausschnitt2

Leider ist der zweite Buchstabe unter dem „B“ nicht lesbar, der eine nähere Identifikation der Stadt oder des Kreises ermöglichen würde. Vielleicht kann dennoch ein sachkundiger Leser eine Lösung liefern.

Interessant sind für uns auf jeden Fall – neben dem Hanomag-Flügelemblem und den „Sturm“-typischen fünf Luftklappen – die Scheibenräder. Sie verweisen auf ein Baujahr bis 1936, danach wurden gelochte Räder verbaut.

Zum Aufnahmezeitpunkt, ca. 1950, hatte der Hanomag schon einiges „erlebt“. Dasselbe gilt sicher für den Herrn, der uns auf dieser ungewöhnlichen Aufnahme den Rücken zukehrt:

Hanomag_Sturm_Ambi-Budd_Nachkrieg_Ausschnitt3

Sein Trachtenjanker mag nicht zu einer Zulassung des Hanomag in der britischen Besatzungszone passen, aber er ist wahrscheinlich nur ein Passagier.

Wenn nicht alles täuscht, sitzt jemand hinter dem Lenkrad, das dürfte der damalige Besitzer dieses schönen Hanomag „Sturm“ Cabriolets gewesen sein.

Ob es dieses Auto noch gibt, fragt man sich natürlich.

Es fällt schwer, sich vorzustellen, dass ein solch großzügiges und seltenes Automobil, nachdem es den Krieg überstanden und seinen Besitzern noch einige Jahre treue Dienste geleistet hatte, irgendwann verschrottet wurde.

Leider spricht die Wahrscheinlichkeit dafür. Dem Modernisierungswahn sollten im kriegsversehrten Deutschland noch ganz andere Schätze zum Opfer fallen,  historische Gebäude und Möbel, in jüngerer Zeit auch bewährte Bildungsstandards.

Während in England und Frankreich alte Wagen oft genug einfach abgestellt wurden, was ihnen eine Überlebenschance bot, wurde und wird hierzulande ohne Not ein Schlusstrich auch unter Hervorbringungen der Vergangenheit gezogen, die nichts dafür konnten, im falschen politischen System entstanden zu sein.

Ein wohlfeiles Urteil aus bequemer Perspektive „ganz schön von oben herab“.

© Michael Schlenger, 2017. All entries in this blog (including embedded photos) are copyrighted by the author, unless otherwise indicated. Excerpts and links may be used, provided that credit is given to Michael Schlenger and https://www.klassiker-runde-wetterau.com with appropriate and specific direction to the original content.

 

 

Spielzeug oder Stilikone? Hanomag „Kommissbrot“

Nach der Zäsur des 1. Weltkriegs verlor die zuvor so leistungsfähige deutsche Automobilindustrie in vielerlei Hinsicht den Anschluss an die internationale Entwicklung.

Aus heutiger Sicht durchaus reizvolle Sonderwege wurden da beschritten.

Die einen bauten Modelle auf dem technischen Stand der Vorkriegszeit weiter und hielten hartnäckig an der 1913/14 aufgekommenen Spitzkühlermode fest – dies war gewissermaßen die trotzig-romantische Auffassung. 

Andere machten sich daran – oft verleitet von arbeitslos gewordenen Flugzeugingenieuren – möglichst alles anders zu machen oder überkandidelte Technik in Kleinserienwagen hineinzukonstruieren – dieser Ansatz gehört der heroisch-fortschrittlichen Richtung an, ebenfalls sehr deutsch.

Unterdessen bauten in den USA von kühl rechnenden „Managern“ geführte Marken wie Ford und Chevrolet einfache, aber gnadenlos zuverlässige und familientaugliche Autos für jedermann. 

Während die „Amerikanerwagen“ durch konsequente Industralisierung der Produktion so billig waren, dass sie sich jeder leisten konnte, arbeiteten einige deutsche Hersteller an Konzepten für einen deutschen „Volkswagen“.

Was daraus im Fall des Hannoveraner Maschinenbauers Hanomag wurde, kann man hier besichtigen:

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Hanomag 2/10 PS; Originalfoto aus Sammlung Michael Schlenger

Ein Wagen, auf dessen Dach es sich die Dame des Hauses bequem machen konnte wie auf einem Spielzeugauto, war (Freunde des Hanomag-Kommissbrot überlesen das besser) kurios, aber kein ernstgemeinter Beitrag zur Volksmotorisierung.

Die Bewohnerin des „Dachgeschosses“ scheint sich auch nicht sicher zu sein, was sie von dem Mobil halten soll. In den Staaten wäre im tiefsten Iowa die Reaktion jeder Ford-T-Fahrerin auf dieses Gefährt eindeutig ausgefallen: „You’re kidding!“.

Was soll man sagen? Sicher: Das Verdienst der ersten Pontonkarosserie der Welt, das gebührt dem Hanomag 2/10 PS-Modell, für das der Volksmund den treffenden Spitznamen „Kommissbrot“ fand.

Doch während Citroen und Austin erwachsene Autos mit konventionellem Vierzylindermotor bauten – mit riesigem Erfolg – beschritten die Konstrukteure des Kommissbrot andere Pfade.

Sie meinten, die Landsleute mit einem lärmigen 500ccm-Einzylindermotor im Heck beglücken zu müssen, der wie ein Rasenmäher mit einem Seilzug zu starten war – mit der linken Hand nebenbei…

Die Leistung des 10 PS-Motörchens war für ein Automobil ungenügend. Mit einer Höchstgeschwindigkeit von 60 km/h bewegte sich der Hanomag 2/10 PS allenfalls auf Augenhöhe mit leichten Motorrädern.

Unstrittig war zwar der Vorteil eines geschlossenen Fahrgastraums – zumindest bei der ab 1926 angebotenen 2-Sitzer-Limousine. Dennoch liefen die Motorradfahrer nicht gerade in Scharen zu dem Miniaturauto über.

Mit knapp 16.000 Exemplaren in drei Jahren Produktionsdauer blieb der Markterfolg für ein „Volksautomobil“ bei einer damaligen Bevölkerungszahl in Deutschland von über 60 Millionen äußerst bescheiden.

Dennoch fand der Hanomag 2/10 PS einige stilbewusste Käufer, die wohl seine Eigenwilligkeit angezogen haben muss. Hier haben wir ein schönes Foto, das zeigt, in welchen Kreisen einst ein Hanomag „Kommissbrot“ Aufnahme fand:

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Hanomag 2/10 PS; Originalfoto aus Sammlung Michael Schlenger

Neben zwei schweren Beiwagenkrädern mit Berliner Zulassung sehen wir gar nicht mal so schüchtern ein Hanomag 2/10 PS-Modell hervorlugen.

Es trägt die zwei Scheinwerfer, die ab 1931 statt der Leuchte in der Mitte der Karosserie vorgeschrieben waren. Damit hätten wir schon einmal das frühestmögliche Datum dieser Aufnahme.

Von einem stilbewussten Besitzer wurden die scheibenförmigen Abdeckungen auf den Speichenrädern montiert – nach Aussagen von Kennern ein zeitgenössisches Zubehör.

Was aber brachte einst diese schweren Motorräder und das behäbige Kommissbrot zusammen? Leider wissen wir nichts über die Umstände dieser Aufnahme, doch das Lächeln der Dame mit Hund entschädigt uns dafür:

Hanomag_2-10_PS_Beiwagen_Ausschnitt

„Na, wat meint Ihr wohl – ob dat meiner iss? Der Hund, ja dit iss klar. Aber der olle Hanomag? Ick würd’s Euch jern verraten…“

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Leistung wird überbewertet: Hanomag 4/23 und 3/18 PS

Wenn heute überhaupt noch jemand weiß, dass der Maschinenbauer Hanomag in der Vorkriegszeit auch eine ganze Weile PKW fertigte, dann ist das wohl dem Ruf des kuriosen Erstlings 2/10 PS „Kommissbrot zu verdanken.

Der von 1925-28 gebaute „rasende Kohlenkasten“ sollte – vom Erfolgsmodell „Rekord“ der 1930er Jahre abgesehen – der meistgebaute Hanomag-PKW bleiben.

Mit knapp 16.000 Exemplaren wurde jedoch auch das Kommissbrot nicht der erhoffte Wagen für’s Volk. Dass Kleinwagen durchaus erwachsen aussehen konnten, hatten dagegen französische und britische Hersteller bereits verstanden.

Nach den schon überzeugender gestalteten Übergangstypen 3/16 und 4/20 PS der Endzwanziger stellte Hanomag 1932 endlich ein Modell vor, das großzügig und fast luxuriös daherkam – den Typ 4/23 PS:

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Hanomag 4/23 PS; Originalfoto aus Sammlung Michael Schlenger

Dass dies ein vollwertiger Viersitzer war, glaubt man gern – aber wie war das mit der luxuriösen Erscheinung?

Nun, dafür ist dieses Exemplar zugebenermaßen ungeeignet. Von den schon etwas blinden Chromradkappen abgesehen, sucht man vergeblich Hinweise auf ansprechende Extras.

Das liegt aber an einer Eigenheit des hier abgebildeten Wagens. Wer genau hinschaut erkennt, dass der schräg nach vorn verlaufende Kühlergrill in Wagenfarbe lackiert ist – das sollte eigentlich nicht sein.

Andere Fotos des Typs vermitteln einen ganz anderen, fast opulenten Eindruck:

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Hanomag 3/18 PS; Originalfoto aus Sammlung Michael Schlenger

So und nicht anders (vom Hakenkreuzwimpel abgesehen) hat die Frontpartie dieses Hanomag-Modells auszusehen – viel Chrom und wenig Leistung, damals kein Widerspruch.

Überhaupt einen vollwertigen Wagen zu besitzen, war im Deutschland der 1930er Jahre nur einer dünnen Schicht vergönnt. Da kam es nicht darauf an, ob unter der Haube nur ein 1,1 Liter großer Vierzylinder mit 23 PS werkelte.

Im vorliegenden Fall haben wir es sogar mit der Sparversion 3/18 PS zu tun, deren Motörchen gerade einmal 900 ccm maß.

Doch selbst der Hanomag 3/18 PS kam genauso erwachsen und hochwertig daher wie das parallel angebotene stärkere 4/23 PS Modell.

Übrigens unterschieden sich die Fahrleistungen kaum. Auch besaßen beide hydraulische Vierradbremsen. Allerdings war der 3/18 PS weit billiger.

Das muss zumindest einige stilbewusste Zeitgenossen überzeugt haben. Was man am von außen nicht sichtbaren Motor sparte, konnte man ja in einen schicken Anzug, fesche Hüte und eine hochwertige Kamera investieren:

Hanomag_3-18_PS_Cabrio-Limousine_Galerie

Hanomag 3/18 PS; Originalfoto aus Sammlung Michael Schlenger

Diese modebewussten Herrschaften scheinen bei ihrem Hanomag 3/18 PS sogar auf Stoßstange und Radkappen verzichtet zu haben – aber wie man sich mit so einem Wagen inszeniert, das wussten sie genau – ein fast perfektes Foto!

Übrigens handelt es sich bei dem Wagen um eine von Karmann gebaute Cabriolimousine, wie sie in Werner Oswalds Standardwerk „Deutsche Autos 1920-45“ auf Seite 134 links oben abgebildet ist.

Mit seinem tiefschwarzen Lack bot dieser Hanomag den perfekten Kontrast zum schweren Chrom der Kühlermaske – das machte schon etwas her im ländlichen Schleswig-Holstein vor über 80 Jahren…

Auch folgende Aufnahme verrät etwas vom Stolz der Besitzer eines Hanomag 3/18 PS:

Hanomag_3-18_PS_Hochzeit_GalerieAnlässlich einer Feier – vielleicht Verlobung oder Hochzeit – wurde der Hanomag wie ein Familienmitglied mitabgelichtet.

Um zu verstehen, welchen Wert ein solcher 18 PS-Wagen für unsere Vorfahren repräsentierte, muss man sich klarmachen, dass der Großteil der Bevölkerung allenfalls ein Fahrrad besaß.

Schon wer ein Motorrad hatte, um damit ganzjährig bei Wind und Wetter zur Arbeit zu fahren, durfte sich privilegiert vorkommen.

In Zeiten von Luxusproblemen wie der „Work-Life-Balance“ ist es heilsam, sich anhand solcher Aufnahmen die Lebenswirklichkeit früherer Generationen zu vergegenwärtigen.

Und schöne Zeugnisse einer untergegangenen Welt, in der auch bei praktischen Gegenständen die ästhetische Qualität eine zentrale Rolle spielte, sind diese Bilder obendrein.

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Sensation am Nürburgring: Hanomag „Kommissbrot“

Wir schreiben das Jahr 2017, in dem sich die Eröffnung des Nürburgrings zum 90. Mal jährt – neben der Targa-Florio-Strecke der anspruchsvollste Rennkurs der Welt.

Die Rede ist hier natürlich von der über 20 km langen Nordschleife mit ihren mehr als 70 Kurven und fast 300m Höhenunterschied. Beim Eröffnungsrennen im Juni 1927 gewann Rudolf Caracciola auf einem Kompressor-Mercedes.

Auf diesem Oldtimerblog interessieren uns aber die Rennereignisse der Vorkriegszeit nur am Rande, auch wenn wir gelegentlich Originalfotos von Renneinsätzen der 1920/30er Jahre vorstellen werden.

Bestimmt hat sich vom Titel niemand Rennfotos des 10-PS starken Hanomag „Kommissbrot“ auf dem Nürburgring erhofft.

Und doch geht beides zusammen – der eigenwillige PKW-Erstling des Maschinenbaukonzerns Hanomag und das 90-jährige Jubiläum des „Rings“, der für Rennbegeisterte dieselbe Magie hat wie Richard Wagners gleichnamiges Werk.

Lassen wir uns nun von folgendem Originalfoto wie mit einer Zeitmaschine zurück ins Jahr 1927 transportieren:

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Nürburgring 1927; Originalfoto aus Sammlung Michael Schlenger

Hier sehen wir den damals noch herrlich wilden Parkplatz in Sichtweite der Nürburg. Für uns Altautofreunde ist diese Aufnahme eine Augenweide – da schauen wir uns näher um.

Keine Sorge, wir werden nicht alle Autos bestimmen wie exotische Schmetterlinge, obwohl da einiges Interessantes herumsteht. Es sind einfach zu viele Wagen und die Qualität des Abzugs steht einer genauen Ansprache entgegen, meistens…

Genießen wir erst einmal die Vielfalt des Gebotenen: 

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Nürburgring 1927; Originalfoto aus Sammlung Michael Schlenger

Da weiß man gar nicht, wohin man schauen soll: Links unten der knackige Zweisitzer hat schon etwas, aber der helle Mercedes weiter oben, der uns die Flanke mit den dicken Auspuffrohren zeigt, wäre die noch bessere Wahl.

Doch der Benz Tourenwagen darunter mit seinem eigenwilligen Verdeck hat auch seinen archaischen Reiz. Putzig wirkt der Fiat 501-Zweisitzer, der in der rechten Hälfte von schweren Limousinen und Tourern umzingelt ist.

Wer heute eine ähnlich sinneverwirrende Auswahl wie selbstverständlich abgestellter Vorkriegsschätze sehen möchte, muss schon den Besucherparkplatz des Goodwood Revival in Südengland oder die Classic Days auf Schloss Dyck aufsuchen.

Wo ist nun aber das versprochene Hanomag 2/10 PS „Kommissbrot“? Tja, das ist von der erwachsenen Konkurrenz ein wenig verschreckt und versteckt sich daher:

Hanomag_2-10_PS_Kommissbrot_Nürburgring_1927_Ausschnitt4Doch es verrät sich durch ein Detail. Dazu nehmen wir erst einmal den Kühler des Wagens in der Mitte ins Visier – wahrscheinlich ein Wanderer.

Rechts von ihm – aus unserer Perspektive – sieht man eine leicht schrägstehende Frontscheibe aufragen, die zu einem kleinen weißen Auto gehört.

Nun peilen wir unter dem Verdeck des Tourenwagens unten rechts die Heckpartie des Wägelchens an: fünf senkrechte Streifen sind dort zu sehen.

„Meine Güte, wie soll man denn so ein Auto identifizieren?“, mag jetzt einer fragen. Nun, oft genug geht es nicht anders auf den alten Fotos, die meist das Einzige sind, was von den Wagen geblieben ist.

Und dieses feine Vergleichsfoto hilft einem dann rasch auf die Sprünge:

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Hanomag 2/10 PS „Kommissbrot“; Originalfoto aus Sammlung Michael Schlenger

„Aha, dieselbe Anordnung von Luftschlitzen, das Gefährt am Nürburgring ist also ein Heckmotorwagen. Klarer Fall, Hanomag 2/10 PS Cabrio, Baujahr 1925-28, passt!“

Doch ganz so einfach ist der Fall nicht. Dazu noch einmal zurück auf den Parkplatz auf dem Nürburgring, obwohl die flotte Fahrerin im Hanomag sicher einen zweiten Blick verdient hätte. Aber wir haben hier ja „einen Job zu erledigen“…

Nun also noch einmal das Hanomag „Kommissbrot“ in Nahaufnahme:

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Täuscht es, oder hat der weiße Wagen einen Türausschnitt, der nach hinten steil aufwärts verläuft? Ja, hat er, denn das ist der rare Sport-Zweisitzer des Hanomag 2/10 PS, der erst im Jahr der Eröffnung des Nürburgrings vorgestellt wurde.

Hier hat also jemand 1927 seinen neuen Wagen mit 10 PS und 60 km/h Spitze in die Eifel gelenkt, um sich zwischen den großen Autos so richtig sportlich zu fühlen.

Für den Verfasser ist der Hanomag der Held des Tages. Er verdient es, auch mit 90 Jahren Verspätung für seinen Einsatz gefeiert zu werden.

Bringen wir dieser kleinen Sensation am Nürburgring 1927 ein gleichnamiges Ständchen, das etwas vom Lebensgefühl und Tempo der Vorkriegszeit transportiert:

© Videoquelle YouTube; hochgeladen von Deutschlandsender

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Überraschend vielseitig: Der Hanomag „Sturm“

Ein Oldtimerblog für Vorkriegsautos, der sich ganz auf zeitgenössische Originalfotos stützt, ist im deutschsprachigen Raum einzigartig.

Das hat weniger damit zu tun, dass hiesige Klassikerfreunde sich vor allem für schwäbische Massenprodukte der Nachkriegszeit begeistern (lassen). Liebhaber echter Autoantiquitäten und -raritäten gibt es durchaus zahlreiche.

Nein, die Sache ist einfach mit erheblicher Arbeit und Überlegung verbunden, für die viele Kenner keine Zeit haben. Manche wollen ihre Schätze auch bloß unter Verschluss halten, hat man den Eindruck.

Man stelle sich vor, man hat einen Fundus aus Vorkriegsautofotos in vierstelliger Zahl, der digitalisiert vorliegt. Was wählt man davon aus? Welche Überschrift passt? Welche Geschichte lässt sich dazu erzählen?

Was macht man etwa, wenn man mehrere Bilder von ein und demselben Fahrzeug hat – aufgenommen aus identischer Perspektive?

Nehmen wir als Beispiel für dieses Problem folgenden Hanomag „Sturm“:

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Hanomag „Sturm“, Originalfoto aus Sammlung Michael Schlenger

Ja gut, werden die Hanomag-Freunde sagen, hier sieht das Spitzenmodell des Maschinenbauers aus Hannover ja fast so langweilig aus wie in der Originalwerbung.

Zugegeben, da ist etwas dran. Die lange Haube mit dem 2,3 Liter Sechszylinder wirkt vor der massigen Fahrgastzelle wie ein Fremdkörper.

Das ist aber nicht unbedingt die Schuld von Hanomag, die diesen mächtigen Wagen 1934, also keine zehn Jahre nach ihrem 10-PS-Erstling „Kommissbrot“ auf die Beine stellte und bis 1939 in knapp 5.000 Exemplaren baute.

Die von Ambi-Budd in Berlin gelieferte Standardkarosserie harmonierte nun einmal besser mit einem kürzeren Vorbau wie beim Vierzylindertyp „Rekord“.

Kaum verwunderlich, dass die Hanomag-Werbung einst kein Wort über die formalen Qualitäten ihres kühn benamten Topmodells „Sturm“ verlor:

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Hanomag „Sturm“, Originalreklame aus Sammlung Michael Schlenger

Ob sich die junge Dame auf unserem Foto – nennen wir sie Fräulein Freya – wohl deshalb etwas unwohl in dem Wagen fühlte? Nein, der Grund für ihre gebremste Begeisterung war ein anderer.

Ihr Verehrer Vincenz nervte mal wieder mit seiner Fotoverrücktheit:

„Fräulein Freya, bevor die anderen anrücken, muss ich noch ein Bild von Ihnen schießen. Glauben Sie’s oder nicht, aber ich habe mich bei Hanomag als Werbefritze beworben. Bitte nicht zu sehr lächeln, das schätzen die Niedersachsen nicht.“

„Mensch Vincenz, nun machen Sie endlich das vermaledeite Foto. Hätten Sie was Anständiges gelernt, bräuchten Sie sich nicht als brotloser Künstler zu verdingen“.

Dabei hat Verehrer Vincenz eigens in die neueste Kamera investiert – eine Contax! Doch Fräulein Freya interessiert sich nicht für die Brennweite seines Zeiss-Objektivs.

Auf der nächsten Aufnahme – mit Selbstauslöser – hat es Vincenz immerhin neben sie geschafft und kann seine Begeisterung nicht verhehlen.

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Hanomag „Sturm“, Originalfoto aus Sammlung Michael Schlenger

Fräulein Freya schaut hier dennoch ganz entspannt, denn inzwischen ist der Rest der Gesellschaft ebenfalls eingetroffen.

Der andere Bursche neben ihr ist Cousin Kurt, der schon im Sandkasten der einzige war, der ihr vertraut die Hand aufs Bein legen durfte.

Hinter dem Hanomag fürchtet unterdessen Hausfreund Hannes um seine Chancen. Er hat seine ganz eigenen Vorstellungen von einem vergnüglichen Aufenthalt bei Fräulein Freya auf dem Lande mitgebracht.

Über die Dinge erhaben ist nur Onkel Otto, der mit seinen 1,85 m den nicht gerade kleinen Hanomag um einiges überragt.

So knisternd die Atmosphäre auch ist, am Ende geht die Sache gut aus. Das beweist das dritte Foto aus dieser Reihe:

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Hanomag „Sturm“, Originalfoto aus Sammlung Michael Schlenger

Die anderen haben sich zum Kaffee zurückgezogen, und Verehrer Vincenz hat sich erboten, weitere Aufnahmen von Fräulein Freya im Hanomag zu machen.

Die besteht aber darauf, dass Herr Hannes mit auf’s Bild kommt. Denn er ist ein gefeierter Schauspieler im „Sturm und Drang“-Fach…

Und geben die beiden kein schönes Paar ab? Tja, damit hätten die bei Hanomag mal Werbung machen sollen. Durchgefallen ist die Aufnahme bei den strengen Herren in Hannover wohl nur wegen der zwei etwas unscharfen Damen im Hintergrund…

Wie die Geschichte weitergeht? Nun, Herr Hannes hat sich von seiner letzten Gage ebenfalls einen Hanomag gegönnt: 

„Fräulein Freya, Sie sind die Erste, die’s erfahren soll. Ich bin schwer verliebt und habe mir aus lauter Leidenschaft ebenfalls einen „Sturm“ zugelegt, aber als rassigen Roadster von Hebmüller. Darin kann man die Schmetterlinge im Bauch freilassen!“

Ob Herr Hannes mit solch‘ billiger Lyrik Fräulein Freya am Ende gewonnen hat?

Leider gibt es nur ein etwas unscharfes Foto, das die beiden mit einem Hanomag „Sturm“ Roadster an einer Autobahntankstelle zeigen könnte:

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Hanomag „Sturm“ Roadster (Karosserie Hebmüller), aus Sammlung Michael Schlenger

Damit beginnt eine andere – wirklich wahre – Geschichte um einen besonders raren Hanomag „Sturm“, der einst am Ostseestrand abgelichtet wurde.

Das ist nun etwas ganz Feines, das wir uns eine Weile aufheben müssen, weil die Recherchen dazu noch nicht abgeschlossen sind.

© Michael Schlenger, 2017. All entries in this blog (including embedded photos) are copyrighted by the author, unless otherwise indicated. Excerpts and links may be used, provided that credit is given to Michael Schlenger and http://www.klassiker-runde-wetterau.com with appropriate and specific direction to the original content.

Hanomag „Rekord“ als Aufbauhelfer nach dem Krieg

Vorkriegsautos haben es hierzulande schwer – viele halten sie für formal langweilig, untermotorisiert und nahezu unfahrbar. Auf diesem Oldtimerblog wird jedes dieser Vorurteile beinahe täglich widerlegt:

Einen Leckerbissen wie ein Stoewer R140 Cabriolet kann man wohl selbst als Verehrer britischer Linienführung kaum langweilig finden. Wer ein Problem mit der geringen Leistung deutscher Vorkriegswagen hat – die bei Volkswagen & Co. merkwürdigerweise nicht stört -, wird bereits bei US-Massenprodukten wie dem Chrysler 65 sehr großzügig bedient.

Und in puncto Fahrkomfort zeigt sich, das unsere Vorfahren trotz „unfahrbarer Autos und unbefahrbarer Straßen“ selbst entfernte Ziele erreichten. So fuhr etwa dieser Steyr aus Österreich 1930 auf eigener Achse über die Alpen an den Gardasee:

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Steyr Typ XII, Originalfoto aus Sammlung Michael Schlenger

Die reich bebilderte Geschichte dieser Alpenüberquerung mit 30 PS muss noch etwas warten. Etwas Appetit darauf darf man Ende Januar aber ruhig bekommen…

Heute geht es um einen ganz anderen Aspekt, der Vorkriegsautos so faszinierend macht – ihr Überleben in der Zeit nach 1945.

Interessant ist es zu sehen, welche Typen bei Kriegsende in Deutschland noch vorhanden waren. Dabei fällt auf, dass es von einer Automarke überproportional viele Überlebende gab – Hanomag.  Einige Exemplare haben wir auf diesem Blog bereits vorgestellt.

Am häufigsten stößt man auf den Hanomag „Rekord“, der von 1934 bis 1940 in nur 19.000 Exemplaren gefertigt wurde. Rekordverdächtig ist, wieviele dieser Wagen, deren 1,5 Liter-Vierzylinder 35 PS leistete, nach 1945 noch am Laufen waren.

Hier haben wir ein solches Modell, das irgendwie im Raum Berlin durchgekommen sein muss, wie das Besatzungskennzeichen (KB=Kommandantur Berlin) verrät:

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Hanomag Rekord, Originalfoto aus Sammlung Michael Schlenger

Ungeachtet des stellenweise beschädigten Abzugs macht der Hanomag hier noch einen passablen Eindruck, sieht man von der fehlenden Radkappe ab. Er verfügt sogar über ein Autoradio, damals ein außergewöhnliches Zubehör.

Im Unterschied zu den Radlerinnen im Hintergrund durften sich die beiden Damen mit dem Hanomag glücklich schätzen – zumindest in puncto Mobilität. Der Alltag Ende der 1940er Jahre wird auch für sie genug Härten bereitgehalten haben.

Weitab der Großstadt fand nach dem Krieg ein anderes gut erhaltenes Exemplar des Hanomag „Rekord“ Unterschlupf:

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Hanomag Rekord (evtl. auch Kurier), Originalfoto aus Sammlung Michael Schlenger

Ob der Wagen über eine eigene Garage verfügte, ist nicht ganz klar. Denn über dem Gebäude hinter ihm steht das englische Wort „Workshop“, was auf eine für die britische Besatzungsmacht tätige Werkstatt hinweisen könnte.

Dazu passen die Ortsbezeichnung „Schleswig“ und das ab 1948 ausgegebene Besatzungskennzeichen mit dem Kürzel BS (Britische Zone Schleswig).

Leider wissen wir auch hier nicht mehr über das Auto und seinen Besitzer, der aber sicher ebenfalls mit seinem braven Hanomag zufrieden war.

Eine Nachkriegskarriere ganz eigener Art erlebte das folgende Exemplar eines Hanomag „Rekord“:

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Hanomag Rekord, Originalfoto aus Sammlung Michael Schlenger

Solch ein Nutzfahrzeug hat es ab Werk nie gegeben, lediglich eine Kübelsitzvariante des „Rekord“bot Hanomag an. Der hier zu sehende Lieferwagen basiert jedoch auf einem Zivilmodell, wie der Verlauf des Vorderschutzblechs mit anschließendem Schutzblech und die originale Tür belegen.

Die vier Luftklappen mit mittiger Chromleiste finden sich so nur beim Modell „Rekord“ – wenngleich nicht bei allen (siehe oben). Dieses Detail erlaubt die Abgrenzung von den Modellen „Kurier“ und „Garant“ sowie dem größeren „Sturm“.

hanomag_rekord_lieferwagen_frontpartie

Auch hier fehlt die Radkappe und das Blech hat schon die eine oder andere unplanmäßige Verformung hinter sich. Doch seinen Besitzern hat der zähe Hanomag „Rekord“ auch so wertvolle Dienste geleistet.

Er bekam irgendwann einen Lieferwagenaufbau verpasst, möglicherweise sogar den eines anderen Fahrzeugs. Denn während der Aufbau an der Dachlinie recht gut an die Fahrerkabine anschließt, passt er von der Breite ganz und gar nicht.

Entsprechend improvisiert sieht der Übergang aus:

hanomag_rekord_lieferwagen_ausschnitt

Der kleine Schönheitsfehler scheint unser „Fotomodell“ aber nicht zu stören – wahrscheinlich war sie die Partnerin des Besitzers und offensichtlich stolz auf den braven Hanomag, dessen Seite sie zu tätscheln scheint.

Was auch immer dieser Wagen einst transportiert hat, er hat seinen Eignern in den Aufbaujahren nach dem 2. Weltkrieg geholfen, wieder auf die Beine zu kommen. Unserem Paar war bewusst, welchen Wert ihr Hanomag für sie bedeutete und so haben sie ihn auf diesem Foto eigens für die Nachwelt festgehalten.

Wer heute routinemäßig alle drei, vier Jahre das Fahrzeug wechselt, kann nicht ermessen, welche Rolle ein Automobil im Leben der Leute spielte, die unser Land aus einem Trümmerhaufen in ein prosperierendes Gemeinwesen verwandelt haben.

Die oft sentimentale Einstellung der älteren Generation zu ihren Autos hat ihre Wurzel auch darin, dass diese Fahrzeuge ihrem Dasein neue Perspektiven gaben…

 

Lädierter Bote der Vorkriegszeit: Hanomag „Rekord“

Zu den am häufigsten besprochenen Vorkriegsautos auf diesem Oldtimerblog gehören PKW des Maschinenbaukonzerns Hanomag.

Das ist keiner Vorliebe des Verfassers geschuldet, der sich unterschiedlos für alle Fahrzeuge interessiert, die einst die Straßen im deutschsprachigen Raum befuhren.

Wieso also sind Hanomags hier so stark vertreten (Bildergalerie)? Es wurden von 1925-41 doch keine 95.000 Stück gebaut.

Eine Erklärung ist die, dass es Autos nach Maschinenbauerart waren – da wurde nicht am Kunden herumexperimentiert, sondern nur Bewährtes und Dauerhaftes produziert.

Jedenfalls folgten nach dem skurrilen Hanomag „Kommissbrot“ nur noch grundsolide Konstruktionen. Sie waren nicht billig, was einer größeren Verbreitung entgegenstand, aber offenbar waren sie kaum kaputtzukriegen.

So finden sich heute noch zahllose Fotos von Hanomags aus den 1930er Jahren, aus der Zeit des 2. Weltkriegs und aus der Nachkriegszeit wie das folgende:

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Hanomag „Rekord“ aus Sammlung Michael Schlenger

Mag sich der Hund des Fotografen noch so sehr in den Vordergrund drängen – „Ah, man macht ein Foto von mir vor meinem Wagen – da zeige ich mich von meiner besten Seite“ – das Auto lässt sich eindeutig als Hanomag identifizieren.

Der genaue Typ erschließt sich erst bei näherem Hinsehen. Die für Winterbetrieb unverzichtbare Kühlerverkleidung, die zum schnelleren Warmwerden des Motors beitrug, lässt die Partie frei, auf der das Hanomag-Flügelemblem angebracht war.

Auffällig ist, dass der stilisierte Adler und die Mittelstrebe in Wagenfarbe lackiert und nicht verchromt sind, wie das eigentlich der Fall sein sollte. Auch die Scheinwerfer sollten eigentlich Chromringe tragen:

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Das Besatzungskennzeichen, das in der Britischen Zone Rheinland (BR) ausgestellt wurde, verweist darauf, dass dieser Hanomag nach 1945 aufgenommen wurde.

Möglicherweise handelt es sich um einen Wagen, der einst beschlagnahmt wurde und bei der Wehrmacht im Einsatz war, wo man Chromteile meist überzulackieren pflegte, um verräterische Reflektionen zu vermeiden.

Dem einstigen Militäreinsatz könnte auch die nicht originale Vorderstoßstange geschuldet sein. Die wird wohl der private Besitzer nach 1945 – der auf welchen Wegen auch immer an das einstige Militärfahrzeug gekommen war – montiert haben.

Er könnte auch für einen interessanten Umbau verantwortlich gewesen sein. So verfügen die Vorderkotflügel dieses Hanomag über seitliche „Schürzen“, die auffallend spitz zulaufen – das war so eindeutig nicht ab Werk verfügbar.

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Auch die hintere Partie des Wagens lässt vermuten, dass an dem Wagen in der Nachkriegszeit einige Modifikationen vorgenommen wurden.

Die Scheibenräder mit den großen Radkappen gab es nur bei Hanomags der Typen „Kurier“ und „Rekord“, die von 1934-36 gebaut wurden, danach wurden gelochte Stahlfelgen verbaut.

Doch die Heckpartie mit dem integrierten und nicht länger angesetzten Kofferraum passt nicht zu einem so frühen Baujahr. Diese Karosserieform gab es nur von 1936-38.

Die Scheibenräder können später montiert worden sein, weil keine Originalteile verfügbar waren. Zudem wissen wir nicht, wie die Vorderräder aussahen, dazu hat sich der Hund zu geschickt platziert.

„Herrchen muss an meinem Hanomag endlich vier gleiche Räder montieren – wie sieht das denn aus – ich stell‘ mich mal vor die gelochte Felge…“.

Für den Kenner bleibt die gar nicht so einfache Frage: Ist das ein Hanomag „Rekord“ oder ein parallel gebauter „Kurier“?

Die Modelle unterschieden sich in erster Linie durch die Motorisierung. Der „Kurier“ musste mit 23 PS aus 1100ccm auskommen, während der „Rekord“ immerhin 32-35 PS aus 1500 ccm leistete und damit knapp 100 km/h schaffte.

Der Verfasser plädiert angesichts der doppelten Scheibenwischer für einen „Rekord“, wenngleich alle übrigen Details auch beim Modell „Kurier“ zu finden waren.

Den Hund, der es sicher genau wusste, können wir leider nicht mehr befragen. Er hat längst – wie wahrscheinlich auch der Hanomag – das Zeitliche gesegnet.

Was bleibt, ist ein Foto aus dem langen Leben eines Vorkriegsautos, das nach Maßstäben deutscher Originalitätsfanatiker dringend in den Auslieferungszustand zurückversetzt werden müsste.

Für Klassikerfreunde mit historischem Gespür dagegen wäre genau das ein Fahrzeug, wie es authentischer kaum sein könnte…

Blick zurück: Hanomag Rekord einmal anders

Oje, nicht schon wieder Hanomag, mag jetzt mancher Leser dieses Oldtimerblogs denken.

Tja, die soliden Vorkriegsautos aus Hannover wurden aber nun einmal sehr geschätzt hierzulande – ungewöhnlich viele Originalfotos sprechen für sich. Dabei wurde der robuste Rekord von 1934-38 gerade einmal in 18.000 Exemplaren gebaut.

Doch kann man dem einstigen „Volumenmodell“ von Hanomag überhaupt neue Perspektiven abgewinnen? „Yes, we can“, um es in den Worten eines überschätzten US-Präsidenten zu sagen, der auch nur für ein fatales „Weiter so“ stand…

Zwar gibt es vor allem konventionelle Aufnahmen des Hanomag Rekord wie diese:

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© Hanomag „Rekord“; Originalfoto aus Sammlung Michael Schlenger

Wer sich nicht gleich von der charmanten Insassin ablenken lässt, wird die typischen vier Luftklappen in der Motorhaube der Ganzstahlkarosserie von Ambi-Budd registrieren. Auf dem Kühlergitter ahnt man den schrägen „Rekord“-Schriftzug.

Auch das Adler Trumpf Cabriolet im Hintergrund ist keine Überraschung. Solche Fotos gibt es auch 80 Jahre nach ihrer Entstehung reichlich, was ihren Reiz nicht schmälert.

Doch Hand auf’s Herz: Wer weiß, wie die Heckpartie eines Hanomag Rekord aussah? Genau: So etwas ist wirklich selten. Dabei war der Hanomag Rekord auch von hinten sehr ansehnlich.

Um mehr zu erfahren, begeben wir uns 80 Jahre zurück – ins Jahr 1936. Damals entstand im waldreichen Spessart bei tiefstehender Sonne folgendes Foto:

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© Hanomag „Rekord“; Originalfoto aus Sammlung Michael Schlenger

Ein stimmungsvolles Bild, das jemand mit Sinn für die malerische Situation gemacht hat. Man stelle sich dieselbe Aufnahme mit einem Nissan Qashkai oder Renault Koleos vor – und alles wäre im Eimer (die verunglückten Namen sagen alles)…

Vor 80 Jahren waren die meisten Autos noch so harmonisch gezeichnet, dass sie weder in der Altstadt oder in freier Natur ein Störfaktor waren. Selbst ein braver Hanomag Rekord mit Standardkarosserie machte von hinten „bella figura“.

Auf folgendem Bildausschnitt sieht man das besser:

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Trotz des bei dieser Vergrößerung körnigen Bilds erkennt man feine Details: Das Faltdach ist zurückgerollt und hinten am Dach mit einem Band fixiert. Auf dem Nummernschild ist „IT 83173“ zu lesen – ein Wagen aus der einstigen Provinz Hessen-Nassau.

Nun mag jemand sagen: Schön, aber woher wissen wir, dass dies ein Hanomag Rekord ist? Immerhin findet man in der Literatur kein Vergleichsfoto dazu.

Das stimmt und genau das macht diese alte Aufnahme so reizvoll. Dass sie tatsächlich einen Hanomag Rekord in der Rückansicht zeigt, wissen wir indessen genau. Es gibt vom selben Auto nämlich ein weiteres Foto:

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Dasselbe Nummernschild, dasselbe Auto mit Rolldach – der Kühler sagt alles über Hersteller und Modell. Nur Ort und Aufnahmezeitpunkt weichen ab. Dieser schöne Schnappschuss entstand an Pfingsten 1937.

Man kann sich natürlich auch heute einen Hanomag Rekord von hinten und vorn anschauen – und das auch noch in Farbe. Aber man muss erst mal einen finden. Auf diesem Blog gibt’s dagegen täglich solche feinen Sachen…

Mysteriöses Hanomag „Rekord“ Cabriolet

Auf diesem Oldtimerblog sind die grundsoliden Vorkriegsautos des Maschinenbauers Hanomag nahezu komplett in historischen Fotos dokumentiert (Bildergalerie).

„Nahezu“ deshalb, weil es immer wieder überraschende Entdeckungen gibt, die das Bild der einstigen PKW-Produktion von Hanomag vervollständigen helfen.

Klar, Bilder von Cabriolets des Erfolgsmodells „Rekord“ (1934-38) gibt es jede Menge. Hier als Beispiel eine Aufnahme eines Exemplars, das im 2. Weltkrieg bei einer Pioniereinheit der deutschen Wehrmacht im Einsatz war:

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© Hanomag „Rekord“ Cabriolet bei der Wehrmacht; Originalfoto aus Sammlung Michael Schlenger

Auch wenn die Aufnahme etwas verwackelt ist, sind die typischen Elemente des von Ambi-Budd gefertigten Standardaufbaus zu erkennen:

Die vier Luftklappen in der Motorhaube, die der Neigung der Motorhaube und der A-Säule folgen, und die als „Meteorschweif“ auslaufende seitliche Zierleiste – ein Detail, das sich auch an den herrlichen Front Luxus Cabriolets von DKW wiederfindet.

So weit, so konventionell. Doch vor einiger Zeit erhielt der Verfasser Fotos eines weit spannenderen Cabriolets, das ebenfalls auf Basis eines Hanomag Rekord gebaut wurde.

Das vermutet jedenfalls der Einsender der Bilder, der rumänische Oldtimer-Enthusiast Radu Comsa. Er war bei der Entdeckung des Wagens 1990 in Bukarest dabei:

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© Hanomag „Rekord“ Cabriolet; Fotoquelle: Radu Comsa

Auf den ersten Blick erinnert die Frontpartie an Ford V8-Modelle der 1930er Jahre oder auch davon inspirierte Renaults. Doch das Innenleben dieses seiner Anbauteile weitgehend beraubten Wagens passt weit besser zu einem Hanomag-Vierzylinder:

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© Hanomag „Rekord“ Cabriolet; Fotoquelle: Radu Comsa

Die Heckpartie ist wie die Front des Wagens formal eigenständig und hat nichts mit der in der Literatur und auf diesem Blog hinreichend dokumentierten Cabriolet-Karosserie zu tun, die einst Ambi-Budd für den Hanomag Rekord lieferte:

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© Hanomag „Rekord“ Cabriolet; Fotoquelle: Radu Comsa

Man ahnt die einstige Schönheit des Wagens, dessen Substanz 1990 noch bemerkenswert intakt erschien. Wieviele Jahre mag das Auto wohl in diesem Zustand ausgeharrt haben, bis es wiederentdeckt wurde?

Denkbar ist, dass das Fahrzeug ehemals als Offiziersauto bei der deutschen Wehrmacht eingesetzt wurde und bei Kriegsende in Rumänien strandete. Dort mag es nach einer zivilen Neulackierung noch eine Weile genutzt worden sein, bis es aus Mangel an Ersatzteilen stillgelegt wurde.

Leider konnte uns Radu Comsa, der auf folgendem Foto im Hintergrund zu sehen ist, nicht mehr zur Geschichte des Autos sagen:

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© Hanomag „Rekord“ Cabriolet; Fotoquelle: Radu Comsa

Hochinteressant sind aber die Informationen, die er auf einer russischen Website zu dem Modell fand. Demnach wurde auf der IAMA 1939 genau ein solches Cabriolet von Hanomag gezeigt, das über eine Sonderkarosserie unbekannter Herkunft verfügte.

Die IAMA war die Internationale Automobil- und Motorradausstellung, die jährlich in Berlin stattfand. Hier eine zeitgenösische Originalreklame für die 1939er Veranstaltung, die der Vorläufer der heutigen IAA war:

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© Originalreklame für die IAMA 1939 aus Sammlung Michael Schlenger

Auf der 1939er IAMA scheint ein Hanomag „Rekord“ Cabriolet desselben Typs ausgestellt worden sein, wie er auf den von Radu Comsa eingesandten Fotos aus Bukarest aus dem Jahr 1990 zu sehen ist.

Leider konnte Radu Comsa nur diese beiden sehr kleinen Belegbilder von besagter russischer Website zuliefern:

© Hanomag „Rekord“ Cabriolet; Fotoquelle: Radu Comsa

Von den Abbildungen, die mit hoher Wahrscheinlichkeit ein Hanomag Cabriolet desselben Typs wie auf unserem Foto zeigen, muss es irgendwo stärker aufgelöste  Versionen geben.

Möglicherweise kann ein Leser mit entsprechenden Quellen weiterhelfen. Schön wäre es auch zu erfahren, wer der Hersteller der schnittigen Karosserie war. Der Verfasser würde aus dem Bauch heraus auf Karmann aus Osnabrück tippen…

Ein Hanomag „Sturm“ am Golf von Neapel

Diesem Oldtimer-Blog liegen zwei Gedanken zugrunde:

Zum einen sollen hier Vorkriegsautos eine breite Bühne bekommen, vor allem solche von Herstellern aus dem deutschen Sprachraum. Einen entsprechenden Anlaufpunkt im Netz gibt es nach Kenntnis des Verfassers sonst nicht.

Zum anderen soll die faszinierende Vielfalt an Marken und Typen anhand historischer Originalfotos vermittelt werden, die die Fahrzeuge mit den Menschen zeigt, die sie einst besaßen oder bewunderten.

Dabei stößt man neben Schnappschüssen aus dem Familienalbum bisweilen auf Abzüge, deren Einordnung schwerfällt, die aber dennoch eine Veröffentlichung verdienen. Ein Beispiel für diese Kategorie zeigt die folgende Aufnahme:

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© Hanomag „Sturm“ am Golf von Neapel; Originalreklame aus Sammlung Michael Schlenger

Für nüchterne Zeitgenossen ist mit dem Untertitel alles gesagt: Hier wird die Frontpartie eines Hanomag „Sturm“ – des 6-Zylinder-Spitzenmodells des Maschinenbauers aus Hannover – von drei Straßenjungen begutachtet.

Tatsächlich verdient dieses Reklamefoto der späten 1930er Jahre einen Preis für eine der subtilsten Werbebotschaften jener Zeit. Denn vom Auto ist nur der Kühlergrill mit dem stilisierten Hanomag-Adler zu erkennen. Wer mehr von dem großzügigen und sauber gezeichneten Wagen sehen will, kann sich auf diesem Blog hier ein genaues Bild machen.

Raffiniert an diesem Werbefoto aus einem unbekannten Magazin der Vorkriegszeit ist die Platzierung des Wagens vor der grandiosen Kulisse des Vesuvs am Golf von Neapel.

Heuzutage, wo man künstliche Orte wie Dubai und schwimmende Massenquartiere wie Kreuzfahrtschiffe als Sehnsuchtsziele verkauft, mag es nicht mehr jedermann klar sein: Süditalien und speziell die Schönheit der Küste Kampaniens von Neapel bis Salerno hatten einst eine magische Ausstrahlung.

Für den Verfasser, der diese Gegenden seit einem Vierteljahrhundert bereist, ist diese Magie unvergänglich. Und so weckt dieses Reklamefoto Erinnerungen an Aufenthalte am Golf von Neapel und an benachbarten Traumzielen wie Capri und der Amalfiküste.

Wer einseitigen Medienberichten hierzulande Glauben schenkt, verbindet mit dieser Region nur Chaos, Mafia und Müllberge. Tatsächlich ist Neapel eine faszinierende Stadt und die herrliche Bucht mit dem Vesuv dürfte für religiös veranlagte Menschen den perfekten Gottesbeweis darstellen.

An solche Assoziationen knüpfte Hanomag einst mit seiner Werbebotschaft an: Das Modell Sturm führt seine Besitzer an die großartigsten Stätten Europas und erobert die Herzen der Jugend – im Sturm!

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Die drei Buben verkauften vielleicht Blumen an Touristen, die an dieser Stelle haltmachten, um den Blick über das Castel dell’Ovo auf den Vesuv zu genießen.

Der Aufnahmeort liegt an der Küstenstraße des neapolitanischen Stadtteils Mergellina. Die Aussicht von dort sieht heute noch genauso aus.

Wer auch immer den Hanomag Sturm an diese Stelle gefahren hatte, wollte gewiss keine Reklame für das Modell in Italien machen. Dort waren potentielle Käufer mit dem avancierten 6-Zylindermodell Fiat 1500 ohnehin besser bedient.

Es ging darum, dem Publikum in Deutschland zu vermitteln, dass der Hanomag Sturm ein Vehikel für gebildete Leute mit Lebensart war. Der Schlüssel zum Verständnis war der Vesuv im Hintergrund. Wer den Berg für den Fujiyama oder den Kilimandscharo hielt, gehörte nicht zur Klientel, die eines Hanomag Sturm würdig war.

Sollte aber am Ende nicht ein Lamento bezüglich der Kinder stehen, die einst offenbar etwas zum Überleben der Familie beisteuern mussten?

Nun, über das Schicksal der drei Buben auf unserem Foto wissen wir nichts Genaues. Immerhin lässt sich sagen, dass sie noch zu jung waren, um von ihrer Regierung in den 2. Weltkrieg geschickt zu werden.

Nach 1945 gehörte Neapel zu den Städten Italiens, in denen es kein Wirtschaftswunder wie im höherentwickelten Norditalien gab. Die strukturellen Voraussetzungen dafür waren nicht gegeben.

Dennoch können wir annehmen, dass die drei neapolitanischen Jungen, die vor rund 80 Jahren vor dem Hanomag Sturm abgelichtet wurden, in einem übermateriellen Sinn ein glückliches Leben hatten. Vielleicht sind sie hochbetagt noch unter uns.